
Installationstechnik
Abdichten mit Hanf
Ein Gespräch über den Hanfzopf, Ammonium und Handwerkskunst.
Seit es Installateure gibt, verwenden sie Hanf zum Abdichten. Für die Firma Herz, die seit über 100 Jahren Armaturen aus Messing bzw. Kupfer-Zink-Legierungen herstellt, ist das selbstverständlich.
"Unsere Armaturen aus Messinglegierungen sind für die Installation mit Dichtmittelträgern wie Hanf ebenso geeignet wie für die Verwendung von Dichtmitteln industrieller Herstellung", sagt Ing. Klaus-Dieter Fuhrmann, zuständig für Anwendungstechnik und technische Kundenunterstützung. Im Gespräch mit "Der österreichische Installateur" erklärt er, warum Herz Armaturen keine Probleme mit dem Hanf hat.
Herr Fuhrmann, seit wann hat die Firma Herz Erfahrung mit Messing-Armaturen?
Ing. Klaus-Dieter Fuhrmann: Seit 1896 die Firma in der Wiener Herzgasse unter dem Namen Gebauer & Lehrner gegründet wurde, werden Armaturen aus Messing bzw. aus Kupfer-Zink-Legierungen erzeugt. Hanf war und ist da der typische Dichtmittelträger, auch wenn andere Dichtmittel ebenfalls verwendet werden. Aber den Fachhandwerker erkennt man noch immer am Hanfzopf in seiner Tasche.
Wie stark ist Hanf heute noch wirklich in der Praxis verbreitet?
Fuhrmann: Dazu gibt es keine genauen Zahlen. Meiner Erfahrung nach sind Materialien wie Teflon eher der Ersatzstoff für weniger geübte Handwerker, während die klassischen Klein- und Mittelunternehmen weiterhin hanfen. Wir von der Firma Herz sehen keine Nachteile bei der Verwendung von Hanf, wenn man es richtig anwendet.
Welche Probleme kann es in Verbindung mit Hanf geben?
Fuhrmann: Wir kennen aus der Praxis nur die Überhanfung, die bei weniger erfahrenen Monteuren manchmal vorkommt. Da wird hie und da einfach zu viel Dichtmittelträger verwendet, sodass das Gewinde nicht mehr sauber angezogen werden kann und Schäden entstehen. Das ist ein rein mechanisches Problem. Sonst konnten wir bisher keinen einzigen Schaden in direktem Zusammenhang mit der Verwendung von Hanf feststellen.
In letzter Zeit wird Hanf manchmal für Spannungsriss-Korrosionen verantwortlich gemacht, die in Messingarmaturen auftreten können.Warum ist das für Sie kein Thema?
Fuhrmann: Man muss dieses Thema durch die europäische Brille betrachten. In Deutschland gibt es keine Hanf-Diskussion, in der Schweiz gibt es keine Hanf-Diskussion, ganz Europa kennt keine Probleme mit oder durch Hanf in Verbindung mit Messing – das ist ein rein österreichisches Thema. Noch allgemeiner gesagt: Spannungsriss-Korrosionen kennt man von Armaturen aus allen Werkstoffen. Es müssen dazu mehrere Parameter zusammentreffen, nämlich zum einen eine Zugspannung und zum anderen ein Angriff auf den verwendeten Werkstoff von außen durch das transportierte Medium. Bei Messing sind das etwa Nitrat-Sulfate und Amonium. Der wesentliche Faktor ist die Zugspannung. Wenn also beispielsweise ein Fitting verwendet wird, der nicht thermisch entspannt ist, können durch hohe Zugspannung Risse entstehen, in die das Wasser korrosionsfördernde Stoffe trägt. Das kann zu Spannungsriss-Korrosion und damit zu Bauteilversagen führen.
Kann man demnach sagen, dass die Vermeidung von Spannungsriss-Korrosion bei der Verwendung der passenden Materialien beginnt?
Fuhrmann: Es gibt für uns als Hersteller Normen für die Werkstoffauswahl und für die Produktdefinition. Bei Messing sind das beispielsweise unterschiedliche Spezifikationen für Stangenmaterial, für Messingblöcke und für Material, das in Schmiedeverfahren bearbeitet wird. Jede Armatur besteht aus gegossenen, aus geschmiedeten und aus gedrehten Teilen. Für alle drei Verwendungszwecke gibt es unterschiedlich definierte Ausgangsmaterialien. Der Hersteller muss also die richtigen Werkstoffe für die jeweils benötigte Qualität verwenden.
Das vollständige Interview mit weiteren Aussagen über Amonium und Korrosion sowie über Handwerkskunst finden Sie in "Der österreichische Installateur 11/2011" ab Seite 32.
