Mit einer internetbasierten Dienste-Plattform „eMobility Solution“ von Bosch können die Fahrer von Elektromobilen eine Ladestation finden. Foto: Bosch

Installationstechnik

Der Mobilitätsmix liegt voll im Trend

Bis 2030 werden noch Verbrennungsmotoren dominieren. Dennoch, das Zeit­alter der alterna­tiven Antriebe hat schon begonnen.

Eines vorweg: der Verbrennungsmotor wird auch in den nächsten zwei Jahrzehnten der häufigste Antrieb unserer Fahrzeuge sein. Laut Studie „Elektromobilität, Chancen für die österreichische Wirtschaft“ vom Juni 2011 werden wegen ihrer Reichweite vor allem Hybridfahrzeuge die am häufigsten produzierten Elektrofahrzeuge sein. Wegen der vergleichsweise geringen Reichweite und der derzeitig verfügbaren Batterietechnologie werden sich batteriebetriebene Fahr­zeuge eher langsamer ent­wickeln. Die hohen Preise für Wasserstofftanks und Brennstoff­zellen sind ein Grund dafür, dass Wasserstofffahrzeuge aus heu­tiger Sicht wohl kaum weiter an Bedeutung gewinnen werden.

Diesel und Benzin bleiben vorerst
In den letzten 100 Jahren haben Diesel- und Ottomotor eine enorme technologische Entwicklung hinter sich gebracht. Die Fahrzeuge wurden immer sparsamer im Verbrauch und die Treibstoffe immer „sauberer.“
Im Vergleich zum Anschaffungswert eines Fahrzeugs, dem jährlichen Wertverlust, den anfallenden Kosten wie Kfz-Versicherung, Reparaturen, Service, Parkgebühren usw. sind die Treibstoffkosten eines modernen Fahrzeugs – noch – von untergeordneter Bedeutung. Bei einem Pkw-Verbrauch von fünf bis sechs Litern auf 100 km fallen Treibstoffpreise um 1,50 Euro je Liter eben weniger ins Gewicht als bei höheren Verbräuchen. Die ausgefeilte Technik der Verbrennungsmotoren und die bis dato  noch unproblematische Versorgung mit leistbaren Kraft­stoffen mindern den Druck der Kfz-Industrie, möglichst rasch Alternativen auf den Markt zu bringen.
Dennoch, die Trendwende ist eingeläutet und ein technologi­scher Wechsel in Richtung alternative Antriebe zei­chnet sich ab. Das Schlagwort „Energiemix“ kennen wir aus der Heiztechnik. Jede Energieform, egal ob Öl, Gas, Biomasse, Wärmepumpe, Solartechnik usw. hat ihre Berechtigung. Es wird kein Ent­weder-Oder zwischen Verbrennungsmotor und Elektroantrieb geben. Der Begriff „Mobili­tätsmix“ wird uns in Zukunft auch im Straßenverkehr verstärkt begegnen.

Dem Plug-in-Hybrid gehört die Zukunft
Dr. Bernd Bohr, Vorsitzender des Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik, Robert Bosch GmbH, über die nähere Zukunft der Mobilität: „Dem Plug-in-Hybrid räume ich gute Chancen ein. Das ist ein relativ kleiner und kostengünstiger Akku für Stadtfahrten mit Elektroantrieb, kombiniert mit Benzin- oder Dieselmotor für lange Strecken.“
Für die Elektromobilität fertigt Bosch Leistungselektronik samt den dafür wichtigen Halbleitern ebenso wie Elektromotoren und Lithium-Ionen-Batterien. Bis 2013 wird Bosch im Bereich Elektromobilität nahezu 20 Projekte von zwölf Automobilherstellern beliefern. Die Vorleistungen sind jedoch erheblich. Jährlich wendet Bosch für die Elektrifizierung des Antriebs­strangs rund 400 Millionen Euro auf. Bosch plant gemeinsam mit Daimler die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens, um Elektromotoren für E-Fahrzeuge in Europa zu entwickeln und zu produzieren.

Noch unzufrieden mit Preis & Leistung
„Können Sie sich vorstellen, ein Elektrofahrzeug zu kaufen“ lautete eine Kundenbefragung an einer Tankstelle vor einigen Monaten in Niederösterreich. Die meisten der Befragten sagten ja, aber jetzt noch nicht. Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss verbessert werden. Die Reichweite eines Elektrofahrzeuges sollte der eines Verbrennungsmotors entsprechen, und das Händler- und Servicenetz muss ausgeweitet werden.
Eine wichtige Aufgabe, um den technischen Stand der Elektromobilität in Österreich für Private und Gewerbebetriebe anschau­lich darzustellen, hat die eMo­bility World übernommen. Am Gelände des Driving Camp in Pachfurth/Niederösterreich stehen über 30 unterschiedliche Elektrofahrzeuge und eine Ökostrom-Ladestation zur Verfügung. Be­sichtigt und getestet werden ­können unterschiedliche Elektrofahrzeuge, vom Fahrrad über das Motorrad bis hin zum Pkw und Nutzfahrzeug. Betreut wird die eMobility World vom Fachverband Elektromobilität. Das Ge­lände wird sowohl von Fachleuten als auch von Endkunden frequentiert. Jährlich kommen über 15.000 Besucher in das Driving Camp Pachfurth.

Elektrofahrzeuge selber testen
Den Interessierten steht eine Viel­falt von seriengefertigten Elektro­fahrzeugen zum Test zur Ver­fügung. Die Energieversorgung erfolgt ausschließlich durch erneuerbare Energieträger.
Den Kritikpunkt der zu geringen Reichweite eines Elektrofahr­zeugs weiß Roland Novotny von der eMobility World bzw. vom Fachverband Elektromobi­lität sofort zu entkräften: „Es wird immer die Reichweite als Pro­blem dargestellt. Wenn man
die Durchschnittslaufleistung von z. B. Mopeds betrachtet, werden pro Jahr ca. 5.000 km gefahren. Vorwiegend Kurzstrecken! Die Reichweite eines E-Mopeds beträgt ca. 60 bis 90 km mit einer Akkuladung. Fährt man 225 Tage im Jahr, wären damit 13.500 km möglich. Also kein Argument mehr!“ Ebenso kann dem Gegenargument begegnet werden: „Das E-Fahrzeug ist zu leise.“ Durch einfache Maßnahmen wie durch den Einbau eines MP3-Players können Motorge­räusche simuliert werden. Da­durch steigt  die Sicherheit im Straßenverkehr.