
Heizung
Energieverbrauch um ein Drittel senken
Beim VÖK freut man sich, dass nun die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden ausschlaggebend ist.
Im Interview mit „Der österreichische Installateur“ verrät Dr. Elisabeth Berger, Geschäftsführerin der
Vereinigung Österreichischer Kessellieferanten, warum der Gesamtenergieeffizienz gegenüber dem Heizwärmebedarf der Vorzug zu geben ist.
Warum ist die Gesamtenergieeffizienz so wichtig? Was bedeutet sie für die Kesselindustrie?
Dr. Elisabeth Berger: Ohne die echte Reduktion des Energiebedarfs sind alle bisher publizierten Pläne zur Klimarettung völlig unrealistisch.
Zuerst müssen wir alle Kraft und Kreativität darauf verwenden, den Energiebedarf um zumindest 1/3 des heutigen Verbrauchs zu reduzieren. Je weniger Energie wir verbrauchen, umso leichter ist der verbleibende Rest durch Alternativen zu erzeugen und desto relativ geringer relevant sind die Kosten je Einheit. Zur Verbrauchsreduktion müssen wir einerseits unseren Lebensstil ändern – Braucht ein Singlehaushalt tatsächlich eine Wohnnutzfläche von 300 m² in einsamer Lage am Waldrand? – und andererseits unsere höchst veraltete Technologie auf den Stand der Technik bringen. Beim Fuhrpark ist dies deutlich besser gelungen als bei der Haus- und Heiztechnik: Ein 15 Jahre altes Auto ist in der Wahrnehmung eben alt und gehört längst ausgetauscht. Eine 20 Jahre alte Heizung empfinden viele als noch völlig in Ordnung. Natürlich heizen diese Anlagen noch einwandfrei – die Heizungsindustrie bürgt schließlich für Qualität – aber von sparsam sind diese Geräte weit entfernt!
Worauf muss man in diesem Zusammenhang bei der Heizanlage achten?
Berger: Zuerst mal auf eine regelmäßige Wartung durch den Fachmann – und zwar nicht nur des Heizkessels, sondern auch der Hydraulik, Pumpen, Ausdehnungsgefäß, Kamin ....
Was kann der Installateur tun, um den Kunden zur Sanierung zu raten?
Berger: Er sollte seinem Kunden zu einem Check raten, ob seine Heizung noch zu seinem Haus passt! Viele Anlagen sind einfach heillos überdimensioniert. Was vor 20 Jahren noch ziemlich egal war und Pi mal Daumen geschätzt wurde, wird heute inklusive Warmwasserbedarf exakt berechnet.
Neue Fenster, ausgebaute Dachböden, Außenisolierungen – all das verändert den Bedarf, und zwar zumeist nach unten! Es macht auch einen großen Unterschied, ob eine Anlage modulieren kann oder nicht. Diese Anlagen können sich viel besser an den Bedarf anpassen. Schließlich fährt man auf der Straße auch nicht immer mit Vollgas und Vollbremsung – also zumindest die meisten Menschen nicht.
Welche Übergangsbestimmungen wird es im Energieausweis neu geben?
Berger: Fest steht, dass der unsinnige Heizwärmebedarf – als lediglich der auf Basis der Außenhülle errechnete Wärmebedarf durch den Wert der des Gesamtenergieverbrauchs ersetzt wird. Das heißt, dass dann im Label nicht nur die Gebäudehülle berücksichtigt wird, sondern auch die Haustechnik (Heizung, Warmwasser, Lüftung, Hilfsenergie). Dies gibt ein deutlich realistischeres und verständliches Bild über den tatsächlichen Gesamtenergieverbrauch eines Gebäudes. Die Verhandlungen laufen zwar noch, aber die Grundrichtung stimmt.
Wird man die Installateure schulen bzw. sensibilisieren, wenn es um die Energieeffizienz geht?
Berger: Das versuchen wir laufend, es scheint aber noch nicht wirklich auf das notwendige Verständnis zu stoßen. Es ist eben sehr mühsam, einen Kunden von diesem Thema zu überzeugen, da ist es viel leichter ihm in derselben Zeit hübsche Dinge zu verkaufen. Aber es gibt auch
Installateure, die sich dieses Themas aktiv annehmen, z. B. indem sie ihren Kunden zur Durchführung der gesetzlich vorgeschriebenen einmaligen Inspektion von Heizungsanlagen, die älter als 15 Jahre alt sind, raten bzw. sie auch durchführen. Eine der Norm entsprechendes Formular findet sich übrigens auf unserer Homepage www.heizungs.org kostenfrei zum Download.
Das Umweltbundesamt schreibt im aktuellen Kyoto-Bericht, dass Wärmepumpen und Fernwärme zur Emissions-Reduktion beitragen – eine Gefahr für Heizkessel?
Berger: Vor allem der unkontrollierte Ausbau von Fernwärmenetzen wird zunehmend zum Problem. Erst werden Netze mit großer Unterstützung durch den Steuerzahler errichtet, um dann als unwirtschaftlich ein Fall für den Konkursrichter zu werden, wenn der Steuerzahler nicht wieder rettend eingreift. Das wird auf Dauer wohl keine Lösung sein. Die Verdrängung der individuellen Heizung nimmt dem Einzelnen auch weitgehend die Möglichkeit, in seiner Einflusssphäre energieoptimal zu handeln – er wird hier teilweise entmündigt. Die vernetzte Autarkie würde aber voraussetzen, dass jeder in seinem Bereich Energie optimiert und damit im Verbund der Energieverbrauch reduziert werden kann! Von den Arbeitsplätzen, die gerade beim Installateur durch den Einbau zentraler Netze langfristig verloren gehen, habe ich auch noch selten sprechen gehört, wenn man von volkswirtschaftlichen Effekten parliert!
Wie müssen Heizkessel beschaffen sein, um diesen Anforderungen gerecht zu werden?
Berger: Gelebte Energieeffizienz der Zukunft ist nur durch Hybridheizungen zu erreichen: Das fängt bei der stromerzeugenden Heizung an und geht über die solare Nutzung der Dachfläche. Eine ausgefeilte Regelung muss die unterschiedlichen Einspeiser und Entnahmen optimieren – eine echte High-tech-Herausforderung!
Danke für das Gespräch!
