Jürgen Braun ist bei Würth für das Engineering und auch für die Berechnung der Befestigungen zuständig: „Wir machen uns bei jedem Photovoltaik-Projekt Gedanken und suchen nach der optimalen Lösung.“ Foto: Paukovits

Installationstechnik

Photovoltaik gehört befestigt

Die Montage von PV-Anlagen stellt hohe Anforderungen an das Fachhandwerk.

Zwischen Solarthermie und Photovoltaik gibt es neben allen anderen Unterschieden noch einen Aspekt, der in der Praxis zum Tragen kommt: Während bei der Solarthermie die Befestigungen vom Kollektorhersteller mitgeliefert werden, kann das Befestigungssystem bei der Photovoltaik individuell für jede Anlage unterschiedlich gewählt werden. Dafür gibt es folgende Gründe: Zum einen sind bei der solarthermischen Anlage durch das höhere Gewicht größere Lasten zu tragen, die in die Dachkonstruktion eingeleitet werden müssen. Daher erfolgt in der Praxis die Montage der solarthermischen Anlagen meist von geschulten Montageteams im Auftrag des Herstellers. Zum anderen sollten bei der Photovoltaik die Module so befestigt werden, dass eine möglichst optimale Hinterlüftung gewährleistet ist. Während bei der Solarthermie möglichst hohe Temperaturen erreicht werden sollen und die Energieausbeute daher im Hochsommer am höchs­ten ist, soll bei der Photovoltaik auf bestmögliche Kühlung geachtet werden. Elektrotechniker und Photovoltaik-Experte Ing. Viktor Hohl aus St. Peter in der Steiermark erklärt: „Den optimalen Wirkungsgrad erreicht eine Photovoltaikanlage an klaren kalten Tagen, wie sie zum Beispiel im März auftreten können.“

PV-Montage im richtigen Winkel
PV-Anlagen müssen, wenn sie übers ganze Jahr gesehen die optimale Leistung bringen sollen, auch anders montiert werden. Hohl, der sich ganz auf Ökostrom spezialisiert hat, erklärt: „Solarthermische Kollektoren werden idealerweise in einem Winkel von 50 Grad aufgestellt, um im Winter die optimale Ausrichtung zur Sonne zu haben, weil da die Wärme gebraucht wird. Photovoltaik stellt man möglichst im 30–35-Grad-Winkel auf, also auf die Sommersonne ausgerichtet, was sich in der Planung oft wesentlich schwieriger darstellt.“ Viktor Hohl holt sich hierfür die Unterstützung von Montageprofis: Seit der konsequenten Ausrichtung seines 5-Mann-Unternehmens auf Photovoltaik vor zwei Jahren arbeitet er mit den Experten der Firma Würth zusammen. Ungefähr genauso lange bietet der Spezialist für Montage- und Befestigungstechnik auch sein PV-Programm in Österreich an, erklärt Jürgen Braun von der Engineering-Abteilung bei Würth: „Die Firma Hohl war eine der ersten, mit der wir in diesem Segment zusammengearbeitet haben. Mittlerweile haben wir rund 20 Anlagen gemeinsam gebaut!“

Prüffähige statische Berechnungen
Die Qualität der Dienstleistung von Würth ist es auch, die Hohl am meisten überzeugt. Während bei anderen Anbietern die statische Berechnung für die Montage einer PV-Anlage oft nicht mehr als ein A4-Zettel ist, bietet Würth eine ausführliche Dokumentation, die 1:1 für Bauverhandlungen und Einreichpläne verwendet werden kann. Von der Dachneigung über die Ein­deck­ung bis hin zur Normschneelast und Windlast am Standort des Bauvorhabens ist jedes Detail des jeweiligen Projektes berück­sichtigt und ausgeführt. Hohl: „Das sind für jede Anlage fünf Zentimeter Papier, die Würth zur Verfügung stellt – inklusive prüffähiger Statik, über die der Sachverständige bei der Bauverhandlung nur mehr kurz drüberschauen muss.“ Das gehört zum Service, bestätigt Braun: „Wir machen uns bei jedem Projekt Gedanken und sitzen zwei bis drei Stunden daran, die optimale Lösung zu finden.“
Die individuell richtige Lösung für jedes PV-Projekt ist ein zentraler Erfolgsfaktor, davon ist Viktor Hohl überzeugt. Sein Unternehmen hat noch nie zwei gleich Anlagen oder zwei idente Befestigungssysteme gebaut. Seine Botschaft ist klar: „Hände weg von Standard-Montagelösungen!“ Denn eine PV-Anlage ist eine Investition für 25–30 Jahre. Die Montage macht zwar nur 10 Prozent des Gesamtpreises aus, hier kann aber am meisten kaputt gehen. Und die Gewährleistung für die saubere Arbeit die läuft über die gesamte Lebensdauer der Anlage. Würth bietet für die Montage zwei verschiedene Systeme an: Das vorkonfektionierte Zebra-System und das Standard-Sys­tem. Die beiden Systeme unterscheiden sich von der Anzahl der benötigten Komponenten und vom Handling auf dem Dach. Das Zebra-System punktet durch die einfache Handhabung beim Zusammenbau der Schienenunterkonstruktion und mit den vorkonfektionierten Systemkomponenten, was eine erhebliche Arbeitszeitersparnis mit sich bringt.

18,33 kW Peak für Trachten Trummer
Ein Vorzeigeprojekt ist die Anlage für die Trachtenmoden Trummer, die mit der Energie aus der 18,33-kW-Peak-Anlage theoretisch sogar energieautark ist. Heinz Trummer ist von seiner Investition überzeugt: „Wir haben die Anlage seit August 2010 in Betrieb und erzeugen genug Strom, um den Betrieb mit 18 Mitarbeitern, 500 m2 Verkaufsfläche und einer energieintensiven Schneiderei – denken Sie nur an die Bügeleisen! – zu versorgen.“ Das primäre Motiv für den Einstieg war der Umweltschutz, die Amortisationszeiten waren für ihn nebensächlich. Trummer hat in den letzten fünf Jahren rund 1,1 Mio. Euro in den Ausbau des Betriebs gesteckt, da sind die 68.000 Euro für die Photovoltaik vergleichsweise klein. Aber Heinz Trummer, der den Betrieb seit 1989 mit seiner Frau führt, hat sozusagen Ökostrom geleckt: In der nächsten Ausbaustufe sollen zusätzliche 50 kW Peak für Wohnhäuser, den familieneigenen Weinhof und zum Betrieb einer Ökostromtankstelle für Elektro-Fahrräder und -Autos dazukommen.
Viktor Hohl kennt viele Kunden wie Heinz Trummer, die nicht so sehr an Amortisationszeiten und Förderungen interessiert sind, sondern die Investition gerne und aus Überzeugung tätigen: „Bei Autokauf oder Hausbau fragt ja auch keiner, in welcher Zeit sich das rechnet.“ Umso mehr ist für diese Kunden saubere, hochwertige Arbeit nötig – bis hin zur Montage am Dach, wo die Anlage für mindestens eine Menschengeneration Strom produzieren soll.