Heizung

Was bringt die Heizungssanierung?

Eine Studie der Energieagentur bewertet Kosten und Nutzen von Dämmung bis Haustechnik.

Die Teilsanierung von Gebäuden ist eine gute Alternative für schmale Brieftaschen – das ist das Ergebnis einer Studie der Österreichischen Energieagentur. Im Auftrag der VÖK (Vereinigung Österreichischer Kessellieferanten) und der Bundesinnung der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker stellte sich die Energieagentur die Frage, ob eine Erneuerung der Heizung auch ohne umfassende Sanierung der Außenhülle Sinn macht. Diese Frage lässt sich nach den Ergebnissen dieser Studie eindeutig positiv beantworten. Dies ist eine wichtige Erkenntnis, da eine Modernisierung der Heizungsanlage und die Dämmung der obersten Geschoßdecke oder des Dachbodens – also eine Teilsanierung – preiswerter und deutlich effizienter ist als eine umfassende Gesamt­sanierung.

"Selbstverständlich ist eine umfassende Sanierung immer anzustreben", sagt Dr. Fritz Unterpertinger, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur. "Doch selbst wenn eine Generalsanierung technisch möglich ist, was nicht immer der Fall ist – für einen Hausbesitzer stellt sich die Kostenfrage, die oft nur eine Teilsanierung erlaubt." Doch auch diese ist wirtschaftlich und technisch in höchstem Maße sinnvoll.

Geringe Investition, große Ersparnis
Die Kosten für die Teilsanierung eines typischen Einfamilienhauses, errichtet vor 1980 und mit einem 30 Jahre alten Heizsystem ausgestattet, belaufen sich auf durchschnittlich 20.000 Euro. Eine umfassende Gesamtsanierung – ebenfalls inklusive Erneuerung der Heizungsanlage – kommt hingegen rund dreimal so teuer, also auf rund 60.000 Euro. Bei den Energieeinsparungen ist das Verhältnis allerdings umgekehrt: Da kann man mit einer Teilsanierung fast 60 Prozent der Energieeinsparungen realisieren, die auch mit einer Generalsanier­ung möglich sind. Diese Ersparnis tritt im großvolumigen Wohnbau noch viel deutlicher zu tage: Dort kann im Zuge der Teilsanierung – also Heizungsmodernisierung und Dachbodenisolierung – mit nur einem Viertel des Kapitaleinsatzes bereits drei Viertel der möglichen Energieeinsparung realisiert werden.

Überdimensionierte Heizungen
Kann man bei einer Heizungsanlage ab dem Jahr 1995 noch von einer genauen Dimensionierung ausgehen, so trifft das auf den überalterten Heizungsbestand in Österreich nicht zu. Immerhin sind gut 30 Prozent der Anlagen seit über 20 Jahren in Betrieb. Dies spricht zwar sehr für die Qualität der Anlagen, aber vom Stand der Technik sind diese weit entfernt und zusätzlich noch überdimensioniert. "Die Wirkungsgrade der Anlagen sind heute deutlich höher – je nach System um bis zu 30 Prozent – und die Leistung kann dank modulierender Systeme und neuer Regelungs- und Speichertechnik besser auf den Bedarf abgestimmt werden", erklärt Elisabeth Berger, Geschäftsführerin der VÖK.

Mehr Einsparung pro investiertem Euro
"Interessant ist, dass bei Gebäuden der 1980er-Jahre oder solchen, die vor 30 Jahren bereits auf diesen Standard saniert wurden, die Teilsanierung deutlich besser abschneidet: Die Einsparung von einer Megawattstunde Primärenergie kann mit maximal 39 Euro realisiert werden; bei Vollsanierung kostet die selbe Maßnahme mindestens110 Euro, also etwa das 3-Fache" erläutert Berger. Fast ebenso hoch ist der Effekt für die Einsparung von CO2: Bei der Teilsanierung muss für eine eingesparte Tonne CO2eq rund 220 Euro aufgewendet werden – die gleiche Reduktion kostet bei der umfassenden Gesamtsanierung ca. 720 Euro, also das 2,5-Fache.

Heizungssanierung ist immer nötig
"Die Heizungsmodernisierung muss integraler Bestandteil jeder umfassenden Sanierung sein. Die Teilsanierung als kostengünstige und effektive Maßnahme sollte jedenfalls von Bund und Ländern auch als Einzelmaßnahme gefördert werden!", fordert Dr. Berger im Namen der Mitglieder der VÖK. Die deutlich preiswertere Teilsanierung bietet eine rasche und einfache Möglichkeit, die dringend notwendige Reduktion des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen zu erreichen. Wegen der deutlich geringeren Investitionskosten ist auch eine schnelle und sozial verträgliche Umsetzung erreichbar. Bis zu einem Drittel des von der EU für Österreich bis 2016 geforderten Einsparpotenzials von 80 PJ Primärenergie könnte durch die rasche Umsetzung der Teilsanierung erzielt werden. In Österreich gibt es rund zwei Mio. Gebäude und etwa 3,5 Mio. Wohneinheiten sowie mindestens 600.000 sanierungsbedürftige Heizanlagen, die älter als 20 Jahre alt sind.

Artikelinfos

  • Donnerstag, 3. Nov. 2011

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