7-8/2017

Editorial 7-8/2017

Brandschutz ist Sache der Haustechnik

von: Klaus Paukovits

Nein, ich bin nicht der Meinung, dass wir aus der Londoner Brandkatastrophe irgendwelche Lehren für das österreichische Bauwesen ziehen können. Das wäre schlicht zynisch. Im Greenfell Tower sind 80 Menschen einen schrecklichen Tod gestorben wegen einer Anhäufung an Fehlern, die mit der österreichischen Realität wenig bis nichts zu tun haben. Zuallererst hat der bauliche Brandschutz versagt – es gab keine sinnvolle Brandabschnittsbildung, keine Fluchtstiegen, und das in einem Gebäude, das nicht im Mittelalter, sondern 1974 errichtet worden ist. Dann haben Brandmelde- und Löschanlagen gefehlt, weil die Nachrüstung mit Sprinkleranlagen zu teuer erschienen sei. Es wird berichtet, dass vor allem jene Bewohner der oberen Stockwerke überlebt haben, die in ihren Wohnungen auf Eigeninitiative Rauchmelder installiert hatten und von denen rechtzeitig geweckt wurden. Aber der wichtigste Punkt ist, dass sich das Feuer außen über eine brennbare Fassadendämmung, die erst vor Kurzem angebracht wurde, nach oben, wie an einem trockenen Bündel Reisig, gefressen hat.

Dass an der Außenseite eines Gebäudes eine brennbare Wärmedämmung völlig legal angebracht werden darf, sogar ohne dass nicht-brennbare Bremsblöcke dazwischen angebracht werden müssen, sprengt mein durch österreichische Brandschutznormen geschultes Vorstellungsvermögen. Deshalb meine ich, dass wir daraus für das österreichische Bauwesen nichts lernen können – außer vielleicht, die Brandschutznormen ernst zu nehmen.

Hierzulande sind Rohrleitungen die größte Gefahr für die Ausbreitung von Feuer, weil sie den Flammen einen Wanddurchbruch bieten, durch den sie am einfachsten in den Nachbarraum schlüpfen können. Das betrifft Wasser- und Heizungsrohre sowie Lüftungs- und Kabelschächte – also jene baulichen Maßnahmen, die in der Verantwortung des haustechnischen Gewerks liegen. Brandabschnittsbildungen sind bei uns ohnehin vorgeschrieben, Fluchtwege sowie Warn- und Löschanlagen müssen überall eingeplant werden, brennbare Dämmungen sind bei hohen Häusern verboten: Darum liegt die größte Verantwortung für die Verhinderung von Bränden bei unserer Branche.

Diese Verantwortung ist riesig: Denn ob eine Brandschutzmanschette richtig ausgewählt und sachgerecht verarbeitet wurde, das lässt sich von außen wesentlich schwieriger beurteilen als die Frage, ob eine Brandschutztüre vorhanden ist. Österreich hat, nicht zuletzt wegen der hervorragenden Arbeit der Freiwilligen und der Berufsfeuerwehren, eine sehr gute Bilanz, was die Verhinderung von Feuertoten anbelangt. Bitte schauen wir darauf, dass das so bleibt. Danke!


Das könnte Sie auch interessieren

Immer mehr Frauen arbeiten in Handwerksberufen, die lange als „typisch männlich“ galten. Sie brauchen die gleiche funktionale Kleidung wie ihre...

Weiterlesen

Der Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen (FGW) kritisiert die Vielzahl neuer Auftragsarbeiten zu Heizkostenvergleichen, die zur...

Weiterlesen

Ein exklusiver Kommentar von Veronika Egger, Vorsitzende von „design for all“.

Weiterlesen

Die Wiener Installateure tagten am 12. Oktober im Colosseum XXI – ein Nachbericht.

Weiterlesen

Der 22-jährige Armin Taxer hat Freude an seinem anspruchsvollen und abwechslungsreichen Beruf. Und mit dieser Freude und seinem Ehrgeiz konnte er ein...

Weiterlesen

Seit 1. Juni 2017 ist Dr. Christian Herbinger als neuer Geschäftsführer für Vaillant Österreich verantwortlich. Wir haben mit ihm über seinen...

Weiterlesen

Warum Bundesinnungsmeister KR Ing. Michael Mattes die Worte „Smart Home“ nicht mehr hören kann, was er sich für die Branche in Österreich wünscht und...

Weiterlesen

Konkret geht es bei der Rückrufaktion um die Jung-Pumpen-Alarmgeber mit Kugeltauchschalter.

Weiterlesen

In einem „Last-Minute-Gespräch“ mit dem Wiener LIM Robert Breitschopf sprachen wir nicht nur über die optimalen Heizmethoden in Städten, sondern auch...

Weiterlesen

Mit Heinrich Kramreiter verabschieden wir uns von einem der Großen aus der Branche. Er erlag am 25. August den Folgen einer schweren Operation.

Weiterlesen

Abonnement und Mediadaten

Sie wollen die führende österreichische Fachzeitschrift kennen lernen?
Sie wollen sich über Erscheinungstermine, Schwerpunkte und Werbemöglichkeiten informieren?

Hier sind Sie richtig.  

AbonnEment

Mediadaten

Termine

Hoval Webinare 2017

Datum: 22. September 2017 bis 22. November 2017
Ort: Online

Trinkwasserhygiene

Datum: 21. November 2017 bis 22. November 2017
Ort: Seewalchen

e-nova: Die Zukunft der Gebäude

Datum: 23. November 2017 bis 24. November 2017
Ort: Campus Pinkafeld

Trinkwasserhygiene

Datum: 23. November 2017
Ort: Seewalchen

Mehr Termine