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Editorial: Einigkeit für Nachhaltigkeit


Was hat die Gewerkschaft Bau-Holz mit dem Fachverband Steine-Keramik gemeinsam?
Worauf kann sich die Umweltschutzorganisation Global 2000 mit dem Arbeitsforum österreichischer Bausparkassen einigen?
Welche gemeinsamen Interessen haben die Bundesinnung Bau und die Arbeiterkammer?
Was ist der kleinste gemeinsame Nenner des Verbands Austria Solar mit der Gemeinschaft Dämmstoff-Industrie?

Ganz schön ungewöhnliche Fragen, die da plötzlich im Raum stehen.
Die Antwort finden Sie in diesem Heft auf Seite 14. All die oben angeführten Organisationen und noch einige mehr haben sich im Juni 2010 darauf geeinigt, die Nachhaltigkeitsinitiative UMWELT + BAUEN zu gründen.
Vier gemeinsame Ziele wurden unter dem Motto „Jetzt für unsere Kinder investieren!“ definiert, darunter die Steigerung der Sanierungsrate und mehr Neubau an leistbaren Wohnungen, öffentlichen Verkehrsmitteln und Bildungseinrichtungen.
Soweit, so gut. Denn dass angesichts des Drucks, unter dem die Bauwirtschaft und das Baunebengewerbe geraten, sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerverbände gemeinsam mehr Investitionen in die Bauinfrastruktur fordern, liegt in der Natur der Sache.
Überraschend ist daran lediglich die große Breite an unterschiedlichen und zum Teil sogar konkurrierenden Organisationen, die sich unter einem gemeinsamen Dach zusammengefunden haben.
Ist die Lage am Bausektor möglicherweise noch kritischer, als es die veröffentlichten Daten ohnehin vermuten lassen?

Die eigentliche Sensation der Initiative ist aber das erklärte gemeinsame Ziel, den Umstieg auf erneuerbare Energieträger zu forcieren.
Im Statement der Initiative UMWELT + BAUEN heißt es ganz konkret: „Eine Umstellung der derzeit ca. 600.000 alten Heizsysteme auf erneuerbare Energien muss forciert werden.“
Dass diese Aussage von der Dämmstoffindustrie, vom Gewerkschaftsbund und von der Vereinigung industrieller Bauunternehmungen gemeinsam getätigt wird, konnte ich kaum glauben.
Das kommt ungefähr so überraschend, wie wenn der Österreichische Skiverband gemeinsam mit dem Österreichischen Fußballbund und dem Österreichischen Schachklub die Einführung eines verpflichtenden Häkel-Unterrichts für alle Berufsschulen fordert ...

Die Dinge sind in Bewegung. Derzeit sind Sachen vorstellbar, die noch vor kurzem undenkbar waren.
So sagte NR-Abgeordnerter Josef Muchitsch von der Gewerkschaft Bau-Holz, der als treibende Kraft hinter der Initiative UMWELT + BAUEN gilt, dass für ihn sogar eine zweckgebunde CO2-Steuer zur Finanzierung der geforderten Maßnahmen denkbar sei, sofern eine Entlastung der davon betroffenen Pendler vorgesehen wird. Nachsatz: „Ich weiß, dass ich mich damit nicht unbedingt beliebt mache.“
Die anstehenden Aufgaben sind zu groß, als dass jeder nur bei seiner eigenen Klientel an besseren Beliebtheitswerten feilen kann.
Das reine Dämmen der Außenwände von Häusern ist zu wenig, wenn Österreich seine Energie- und Klimaziele erreichen will. Diese Erkenntnis hat sich durchgesetzt. Der beschäftigungsintensive Umstieg auf erneuerbare heimische Energieträger wird so offenbar mehrheitsfähig.

Mehr Rückenwind ist für die Haustechniker kaum denkbar. Und ohne das Know-how der Installateure ist es unmöglich, die gemeinsamen Ziele aller Interessengruppen in der Bauwirtschaft zu erreichen.
Kann es vor der kommenden Heizungssaison bessere Nachrichten geben? Die Branche braucht gerade jetzt gute Nachrichten, das zeigt ein Blick auf Seite 15 …




E-Mail:

Klaus Paukovits


     
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