KR Ing. Herbert Urbanich, NÖ-Innungsmeister Foto: Strobl

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Ende der Förderungen

Das Ende der Förderungen für erneuerbare Energien in Niederösterreich hat dramatische Auswirkungen.

Die Förderungen für den Heizkesseltausch (Heizungsanlagen mit fester Biomasse) und den Einsatz erneuerbarer Energien (thermische Solaranlagen, Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen) in Form von Direktzuschüssen des Landes NÖ sind mit Jahresende 2010 ausgelaufen. Wie statistische Erhebungen zeigen, haben sich im ersten Halbjahr 2011 sowohl Anlagen-Stückzahlen als auch Umsätze der Installationsbetriebe in den Bereichen Modernisierung bzw. Umstellung auf erneuerbare Energieträger katastrophal rückwärts entwickelt. Die redaktion der österreichischen Installateurs ersuchte Ing. Herbert Urbanich, LIM  Niederösterreich um ein Interview über die Auswirkungen in der Branche.

Welche Folgen hat der Förderungsstopp auf den Heizkesseltausch?
LIM Ing. Herbert Urbanich:
Eine repräsentative Umfrage bei mittelständischen Mitgliedsunternehmen unserer Fachgruppe zeigt Stückzahländerungen bei der Umstellung fossiler Anlagen auf Biomasseheizungen von minus 30 bis 50  Prozent. Für das zweite Halbjahr ist mit einer Verstärkung des negativen Trends zu rechnen.

Aus Sicht des Umweltschutzes und der Vermeidung von CO
­­­­­­­2-Emissionen ist zu vermerken, dass im ersten Halbjahr 2011 der Rückfall in der Umstellung auf Biomasseheizungen durch den Austausch von Gasheizungen und Ölheizungen zu einem Gutteil kompensiert wurde. Besonderen Einfluss darauf hat sicherlich die aktive Förderung der österreichischen Mineralölwirtschaft für den Heizkesseltausch auf Öl-Brennwertgeräte.

Wie bewerten Sie die Situation bei thermischen Solaranlagen für Heizung und Warmwasserbereitung?
Urbanich: Seitens der Solarindustrie wurde für NÖ ein erschreckender Umsatzeinbruch im ersten Halbjahr 2011 gemeldet. Unsere Umfrage hat eine Veränderung in den Anlagenstückzahlen von minus 50 bis 70 Prozent, teilweise sogar auf 0 fallend, bestätigt. Alarmierende Zahlen, zumal thermische Solaranlagen für Warmwasserbereitung in Neubauten zwingend vorgesehen sind, und damit ein Totalausfall in der Anlagensanierung bzw. Anlagenmodernisierung abzuleiten ist. Hier ist für das zweite Halbjahr mit keiner weiteren Verstärkung des Negativtrends zu rechnen. Auch in anderen Bundesländern werden in diesem Bereich  Einbußen festgestellt, die sich mit minus 20 bis 25 Prozent vergleichsweise in Grenzen halten.

Wie sind die Auswirkungen  bei Wärmepumpen für Heizung und Warmwasserbereitung?
Urbanich: Aktuelle Daten von Industrie- und Großhandel stehen uns leider nicht zur Verfügung. Unsere Mitgliederumfrage zeigt in diesem Bereich ebenfalls um 30 Prozent reduzierte Anlagenzahlen. Auch für das zweite Halbjahr erwarten unsere Mitgliedsunternehmen Rückgänge in ähnlicher Höhe.

Wie werden die Förderungen des Landes NÖ von den Häuslbauern derzeit angenommen?
Urbanich: Anlagenbesitzer scheuen den Zugang zu Fördermöglichkeiten im Rahmen der umfassenden Eigenheimsanierung nach Punktesystem. Der Weg ist zu aufwendig und bedarf einer oftmals nicht erwünschten Kreditfinanzierung. Die Förderung mit direktem, nicht rückzahlbarem Zuschuss durch die NÖ Wohnbauförderung war einfach, unbürokratisch in der Handhabung und hat zudem eine qualitätssichernde Dokumentation der renovierten Anlagen erfordert. Letztere ist durch den Ausfall der Förderstelle als Prüf- und Kontrollinstanz verloren gegangen. Die Verwendung von Geräten mit Prüfzeugnis, Bauanzeigen und die dokumentierte Inbetriebnahme von erneuerten Anlagen wird nicht mehr als Muss angesehen, teilweise sind die Baubehörden schlicht überfordert.

Wie wirkt sich die allgemeine wirtschaftliche Situation auf die Installateure in NÖ aus?
Urbanich: Zusätzlich setzen dem Gewerbe grenzüberschreitende Tätigkeiten billiger Unternehmer und - mit steigender Steuerbelastung - vermehrt der „Pfusch“ zu. Die äußerst negative Stimmung in der Bevölkerung, verursacht durch Euro-Krise, andauernde Bankenkrise und logischerweise nachfolgende Wirtschaftskrise, belastet das Konsumverhalten und die Investitionsbereitschaft sehr.Laut Marktbeobachtung in NÖ lässt der Trend zu Modernisierung und Sanierung von Eigenheimen und Wohnungen stark nach, sodass über das gesamte Handwerk und Gewerbe gravierende Einbrüche in den Wirtschaftsdaten für das Jahr 2011 und nachhaltig auch für 2012 zu befürchten sind. Das Nichterreichen der Kyoto-Klimaschutzziele hat Österreich bereits erklärt. Neue Verpflichtungen für 2020 könnten nicht schlechter angesetzt sein. Daraus resultierende Strafzahlungen für CO2 Zertifikate sind die logische Konsequenz. Strafzahlungen, die zeitgerecht als Wirtschaftsförderung eingesetzt, für das eigene Land wertvoller wären.

Danke für das Gespräch!

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