Heizung

Die Ölheizung – eine Bestandsaufnahme

WKÖ DMC/Norbert Leithner
(v.l.): Ing. Peter Huber (Geschäftsführer Viessmann Österreich), Mag. Jürgen Roth (Obmann des Fachverbandes Energiehandel in der WKÖ) und DI Peter Traupmann (Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur)
WKÖ DMC/Norbert Leithner

Wie der mittelfristige Ausstieg aus fossilem Heizöl dank Green liquid fuels umweltfreundlich, realistisch und sozial verträglich machbar wird.

von: Redaktion

"Der Fachverband des österreichischen Energiehandels bekennt sich zu denPariser Klimaschutzzielenund zu der in der österreichischen Klima- und Energiestrategie vorgesehenen Forcierung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien. Damit verbunden ist unter anderem der mittelfristige Ausstieg aus dem fossilen Energieträger Heizöl", sagt Jürgen Roth, Obmann des Fachverbandes Energiehandel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Wir dürfen uns das bestehende Öl-Heizsystem nicht schlechtreden lassen", so Roth. "Das Heizsystem mit flüssigen Energieträgern ist seit sechs Jahrzehnten bewährt und liefert verlässlich Wärme für 2 Millionen Menschen." Zu den diversen Vorteilen (Energieeffizienz, höchste Energiedichte, technologische Verlässlichkeit) kommt noch eine Effizienzsteigerung von 40 Prozent beim Umstieg auf die neue Brennwerttechnologie. "Unsere Berechnungen zeigen, dass dank unserer Initiative für den Umstieg österreichweit kumuliert rund 6,4 GWh Energie in den letzten 10 Jahren eingespart werden konnten. Das entspricht mehr als 1,7 Mio. Tonnen CO2", zeigt sich Roth, zufrieden.

Flüssige Brennstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
In intensiven Forschungen und Tests wurde zum Beispiel ein innovativer erneuerbarer flüssiger Energieträger entwickelt: Hydrotreated Vegetable Oil (kurz HVO). "HVO ist sozusagen synthetisches Heizöl, das zum überwiegenden Teil aus Reststoffen - pflanzlichen und tierischen Fetten und Abfällen- besteht. Es hat keinen Nachteil gegenüber fossilem Heizöl", so Roth.

Facts:

  • HVO ist ebenso CO2neutral wie andere feste biogene Brennstoffe, produziert keinen Feinstaub und ist geruchsneutral.
  • Bei Umstellung auf neue Brennwerttechnologie kannhydrotreated vegetable oilim bewährten Heizsystem auch weitergenutzt werden: Das Einsparungsvolumen gegenüber den Umstellungskosten auf andere Energieträger beträgt 20 Milliarden Euro. "Der Einsatz von HVO ist damit sozial- und standortverträglich", hält Fachverbandsobmann Roth fest, "ein Umstieg auf andere Energieformen ist nicht notwendig."

Pilotprojekte laufen bereits
Momentan wird Hydrotreated Vegetable Oil (HVO) - ein green liquid fuel - in ganz Österreich in bestehenden modernen Brennwertkesseln von Einfamilienhäusern getestet. Projektpartner sind Kesselerzeuger bzw. Kessellieferanten für Service und Emissionsmessungen, der Energiehandel für die Bereitstellung von HVO und die Betreiber der Pilotanlagen. "Heutige Öl-Brennwertkessel haben die Zukunft mit Bioöl bereits eingebaut", erläutert Ing. Peter Huber, Geschäftsführer von Viessmann Österreich. Ab Werk sind diese Öl-Brennwertkesselbereits auf einen Umstieg von ausschließlich fossilem Öl auf Bioöl vorbereitet und können damit auch mit regenerativen Energieträgern betrieben werden. Dabei ist die Anschaffung eines neuen Brennwertkessels noch dazu ein aktiver Beitrag zu Ressourceneffizienz und Energieeinsparung. "Der Verbrauch sinkt dadurch um bis zu 40 Prozent. Mit einem unschlagbar hohen Wirkungsgrad wird das eingesetzte Bioöl bis zu 98 Prozent in Wärme umgewandelt." Die ersten Ergebnisse der Tests sind vielversprechend. "HVO liegt bei allen Emissionen - CO, NOx, CO2, O2, Ruß - deutlich unter den gesetzlichen vorgeschriebenen Grenzwerten," schwärmt Huber. Allein in Österreich sind noch rund 700.000 Ölheizungen in Betrieb, die zu einem überwiegenden Anteil älter als 20 Jahre sind. "Die kontinuierliche Umstellung auf Öl-Brennwerttechnik in Verbindung mit dem Einsatz von Bioöl ist somit ein gewaltiger Hebel sowohl für die Forcierung erneuerbarer Energieträger wie auch für die Steigerung der Energieeffizienz", so Huber.Ein weiterer Vorteil beim Einsatz dieser Art der flüssigen Biomasse ist, dass im Sanierungsfall de facto die gesamte Peripherie, wie etwa Öltanks, Ölleitungen und Kamin auch weiterhin genutzt werden können. "Die Umstellung von fossilem Heizöl auf Bioöl ist somit nicht nur sehr kostengünstig - es spart bereits Ressourcen bei der Herstellung der Anlagen", zeigt Huber weitere Vorteile auf.

Relevante Ergebnisse zur Erreichung der Klimaziele
Der österreichische Energiehandel hat eine Studie bei der Österreichischen Energieagentur in Auftrag gegeben. Diese zeigt, dass der Energieträger Hydrotreated Vegetable Oil die Klimaziele unterstützt und eine wichtige Rolle im Energiesystem der Zukunft einnehmen kann und wird. Konkret kann "die Beimischung von HVO-Brennstoffen zu Heizöl Extraleicht in kurzem Zeitraum einen relevanten Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten." "Der Ausstieg aus dem fossilen Heizöl ist beschlossene Sache. HVOs bieten die Möglichkeit, marktübliche Heizölbrennersysteme weiterzuverwenden und mit diesen klimafreundlich zu heizen", sagt Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur. "Würde man das gesamte in Österreich zum Heizen verwendete Öl durch HVOs ersetzen, könnte man die Treibhausgasemissionen um 2,4 bis 3,7 Millionen Tonnen senken. Doch selbst wenn lediglich fünf Prozent beigemischt werden, ließen sich die Treibhausgasemissionen über den Lebenszyklus je nach Rohstoffquelle um etwa 100.000 bis 186.000 Tonnen CO2-Äquivalente jährlich reduzieren. Die dafür benötigten Mengen von rund 47.000 Tonnen HVO entsprechen in etwa der Größenordnung, die 2016 in Österreich im Verkehrssektor verwendet wurde", macht Traupmann die Dimensionen klar. "Die ökologische Performance von HVO hängt stark von den eingesetzten Rohstoffen ab und ist am günstigsten, wenn Reststoffe verwendet werden. Je nach eingesetztem Rohstoff können über den Lebenszyklus gesehen gegenüber fossilen Produkten hohe Treibhausgaseinsparungen erzielt werden: Werden Pflanzenöle eingesetzt sind es etwa 60 Prozent, bei der Verwendung von Altspeisefetten bis zu 90 Prozent."Die Produktion von HVO-Brennstoffen aus nachhaltigen Rohstoffen aus Österreich sei Traupmann zufolge zudem ein wichtiger Schritt bei der Umsetzung der in der Klima- und Energiestrategie #mission2030 angestrebten Bioökonomie. Ziel dieses Wirtschaftskonzeptes ist es − auch abseits des Energiesystems − fossile Ressourcen in möglichst allen Anwendungen durch nachhaltige Rohstoffe zu ersetzen. "Bioökonomie senkt Österreichs Abhängigkeit von fossilen Importen drastisch, schafft Innovation und Arbeitsplätze und setzt positive Impulse für Klima- und Umweltschutz", so Traupmann weiter. Dem folgend werden in Zukunft das Ressourcenthema im Bereich Biomasse und die Frage, in welchen Wirtschaftsbereichen flüssige Energieträger eingesetzt werden, von großer Bedeutung sein.

Der Weg zum grünen Heizen mit erneuerbarer Energie
Und wie sieht nun der Weg in Richtung green liquid fuels wie HVO aus? Nach dem Abschluss der bereits erwähnten Echttestskann mit dem Einsatz von HVO als hundertprozentigem green liquid fuel gestartet werden. Die sozial verträgliche Umstellung (ohne Zwang) von bestehenden rein fossilen Heizkesselanlagen auf neueste, besonders effiziente Brennwertkesseln mit HVO ab dem Jahr 2025 ist ein weiterer Schritt. Der flächendeckende Einsatz von Heizkesselanlagen mit erneuerbaren synthetischen Energieträgern auf Basis von HVO und weiteren synthetischen erneuerbaren flüssigen Brennstoffen soll ab 2040, spätestens aber 2050 erreicht sein. Diese synthetischen erneuerbaren Brennstoffe werden gerade weltweit intensiv erforscht und getestet. Es handelt sich dabei um alle unter Einsatz von klimaneutralem Kohlenstoff und erneuerbaren Strom erzeugten flüssigen Brennstoffen, wobei Wasserstoff als Ausgangsbasis besonders relevant ist. Wenn der komplette Umstieg aus fossilem Heizöl bis 2050 gelingt, bedeutet dies eine jährliche Reduktion von 3,7 Mio. t COwas einem Minus von 4,6 Prozent an den gesamten CO2-Emissionen Österreichs entspricht.

Wichtiges Ziel: Green liquid fuels aus heimischen Rohstoffen
Einen Aspekt der Studie heben Roth, Traupmann und Huber unisono hervor: "Das langfristige Ziel sollte sein, green liquid fuels wie Hydrotreated Vegetable Oilmöglichst aus heimischen Rohstoffen herzustellen. Das schafft und sichert unter anderem neue heimische Arbeitsplätze und Absatzmöglichkeiten für die österreichische Landwirtschaft." "Wir versuchen mit den relevanten österreichischen Entscheidungsträgern die notwendigen Schritte einzuleiten, um das skizzierte Szenarium umzusetzen", so Roth abschließend.

 


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