5a/2022 Sanitär

Der lange Weg zum perfekten Bad für alle

Quelle: Strobl
Mag. Christian Stadelmann, Leitung Sammlungsbereich Alltag & Gesellschaft im Technischen ­Museum Wien: „Die Körperreinigung wurde ab etwa 1850 bis 1900 am Waschtisch mit Marmor­platte vorgenommen. Die aufklappbare, grün verkleidete Sitzbadewanne ist aus den 1960er-Jahren.“
Quelle: Strobl

Mit der Einleitung von Trinkwasser in Gebäude stieg die ­Bedeutung der Badezimmer. Nur wenige konnten sich anfangs ein eigenes Bad leisten.

von: Manfred Strobl

Der 24. Oktober 1873 war für Wien der Stichtag, an dem der Grundstein für den Ausbau von Sanitärräumen gelegt wurde. Die erste Wiener Hochquellenleitung –damals Kaiser-Franz-Josef-Hochquellen­leitung genannt – ist bis heute ein unverzichtbarer Teil der Wiener Wasserversorgung. Sie war der erste Schritt für die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser.

Sauberes Fließwasser war die Basis
Nach nur vierjähriger Bauzeit wurde die 95 Kilometer lange Leitung eröffnet. Heute liefert sie, gemeinsam mit der zweiten Hochquellenleitung, rund 139 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Der jährliche Gesamt­verbrauch, inklusive Grundwasser, liegt bei rund 150 Millionen Kubikmetern.
Die Körperreinigung wurde von etwa 1850 bis nach 1900 am Waschtisch mit Marmorplatte, Waschschüssel und Spiegel vorgenommen. Der Waschtisch war fixer Bestandteil der Schlafzimmereinrichtung oder der Küche. Neben den öffentlichen Brunnen gab es z.B. im Jahr 1860 in Wien noch etwa 10.000 Hausbrunnen mit Handpumpen.

Wasser war rares Gut im Haushalt
Aus den Brunnen bezogen die Bewohner Wasser und trugen es in Kübeln in ihre ­Wohnungen. Das Wasser wurde am Ofen erwärmt und in die Waschschüssel ge­gossen. Zu dieser Zeit waren Nachttöpfe, Zimmertoiletten und Kübel in Verwendung. Die ­Abwässer und Fäkalien wurden einfach auf die Straße oder in Kanäle geleert und verunreinigten oftmals die Hausbrunnen, Erkrankungen und Seuchen waren die Folge.
Mit der ersten Hochquellenleitung sollte jedes Haus in Wien an das Leitungsnetz angeschlossen werden. Gleichzeitig wurde mit dem Ausbau des Kanalnetzes begonnen. Neben dem Trinkwasserbedarf war vor allem Wasser für die Toilettenpülung und das ­Waschen geplant. In den Zinshäusern verdrängte die Bassena in den Gängen die bis dato genutzten Hausbrunnen in den Höfen, bzw. öffentliche Brunnen auf Plätzen. Die Bassena war Treffpunkt der Hausbewohner, der vielzitierte „Bassenatratsch“ feierte zu dieser Zeit seine Hochblüte. In den bürgerlichen Wohnungen hatten die Nutzer mehr Geld zur Verfügung und konnten sich bereits in der Wohnung mehrere Wasserentnahmestellen einrichten.

Privates Bad nur für wenige leistbar
Wegen der ärmlichen Wohn- und Hygieneverhältnisse errichtete die Stadt Wien bereits ab 1887 die ersten Volksbäder. Dank dem spärlichen Wasserfluss wurden sie von der Bevölkerung als „Tröpferlbad“ bezeichnet. Im Jahr 1910 zählte Wien über zwei Millionen Einwohner. Über viele Jahrzehnte waren die Tröpferlbäder für die meisten Arbeiter­innen und Arbeiter die einzige Möglichkeit zur gründlichen Körperreinigung.
Das Badezimmer, so wie wir es heute kennen, mit fix montierter Einrichtung und wasserabweisenden Oberflächen aus Fliesen, Metall oder Glas, war um 1914 bereits technisch ausgereift, aber nur für relativ wenige wohlhabende Menschen auch leistbar. Erst mit der Errichtung der Gemeindebauten in den 1920er-Jahren konnten sich immer mehr Bewohner den privaten Luxus einer eigenen Toilette und eines eigenen Bade­raums leisten. Dank dem steigenden Wohnungskomfort sanken auch die Besucher­zahlen der Tröpferlbäder.

Lesen Sie den ungekürzten Artikel ab Seite 46 der aktuellen Ausgabe 5a/2022 oder am AustriaKiosk!


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