1/2016

Editorial 1/2016

Credit: Adrian Batty

Damit sich die Pariser Katze nicht in den dekarbonisierten Schwanz beißt.

von: Klaus Paukovits

Ab sofort sollten in Österreich keine Häuser mit Öl- oder Gasheizungen mehr gebaut werden dürfen, forderte WIFO-Chef Karl Aiginger in einem Kurier-Interview Mitte Dezember. Das sei für ihn die Konsequenz aus dem Pariser Klima-Abkommen, welches eine Dekarbonisierung bis 2050 vorsieht. Hat er recht? Nein, natürlich nicht. Aber der Fehler liegt nicht in der plumpen Forderung, Ölheizungen im Neubau zu verbieten – das ist sinnlos, weil in neue Häuser ohnehin praktisch keine Ölheizungen mehr eingebaut werden. Der Hauptfehler liegt auch nicht darin, Gasheizungen im Neubau verbieten zu wollen. Als Wirtschaftsforscher weiß Aiginger nur zu genau, dass das kurzfristig zu einer Wirtschaftskrise am Bau und zu massiven Problemen am Immobilienmarkt führen würde. Weil man alle mit Gas versorgte Neubauprojekte verschieben müsste, bis entsprechende alternative Technologien und Versorgungsmodelle für das jeweilige Projekt zur Verfügung stehen. Und wie ließe sich Gasversorgung in städtischen Ballungsgebieten mittelfristig anders ersetzen als durch Fern­wärme, die dann notgedrungen mit Gas oder Kohle betrieben wird? Da beißt sich die Katze in den dekarbonisierten Schwanz.

Der echte Denkfehler liegt in dem, was er sonst noch gesagt hat: „Es müssen Null-Energiehäuser sein, die gar keine Heizungsenergie mehr brauchen. Aber am besten wären nur noch Heizungssysteme, die mit erneuerbaren Energien arbeiten“, zitiert ihn der Kurier. Wenn er das wirklich so gesagt hat, ist das – mit Verlaub – ein ganz großer Unsinn. Warum sollte ein Haus, das gar keine Energie mehr braucht, schlechter sein als ein Haus, das Energie braucht – und sei es auch erneuerbare? Das Ziel muss sein, weniger Energie zu verbrauchen, vorhandene Energie möglichst effi­zient einzusetzen und fossile Energieträger Schritt für Schritt durch erneuerbare zu ersetzen. In Paris haben sich die Staaten der Welt 2050 als Ziel dieser „Dekarbonisierung“ gesetzt. Das ist gerade im Gebäudesektor nicht so unrealistisch, wie es scheinen mag.
Erinnern wir uns nur, dass gemäß EU-Gebäuderichtlinie das „Nahezu-Null-Energie-Haus“ ab 2020 der Standard im Neubau zu sein hat. Das Plus-Energie-Haus ist dann der nächste Schritt.

Der Gebäudebereich ist auf einem guten Weg, innerhalb der nächsten Generation vom Energieverbraucher zum Energieproduzenten zu werden. Das bedingt eine Änderung in der Ausbildung und im Geschäftsmodell von Energieversorgern, Bauträgern und Installateuren, keine Frage. Aber es ist lösbar, ohne auf kurzfris­tigen Aktionismus zu setzen und nach Spontangesetzgebung zu rufen. Wichtiger wäre die Frage, wie Industrie und Mobilität ohne fossile Energie funktionieren sollen. Dazu kenne ich bisher kein vernünftiges und bis 2050 umsetzbares Modell. Es würde mich interessieren, was die Wirtschaftsforschung dazu zu sagen hat.

Viel Vergnügen beim Lesen der aktuellen Ausgabe 1/2016!


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