12/2015

Editorial 12/15

Credit: Adrian Batty

Moderne Märchen, die der Realität am Arbeitsmarkt nicht entsprechen.

von: Klaus Paukovits

Die Zahl der 15-Jährigen ist innerhalb von nicht einmal zehn Jahren deutlich gesunken. Gab es 2007 noch knapp über 100.000 junge Menschen des Jahrgangs 1992, so werden nächsten Sommer nur mehr 84.000 die Pflichtschulzeit beendet haben. Das wird im kommenden Jahrzehnt in etwa gleich bleiben. Es sinken also naturgemäß nicht nur die Lehrlingszahlen, sondern auch die weiterführenden Schulen haben weniger Zulauf. Der Wettbewerb um die besten Köpfe, um die Arbeitskräfte der
Zukunft, ist spätestens jetzt so richtig eröffnet.

Was soll man in dieser Situation einem 15-Jährigen raten? Welche Ausbildung eröffnet ihm die besten Chancen? Schaut man auf die Statistiken des AMS, ist die Antwort klar: Je höher der erreichte Bildungsabschluss, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden, und desto höher das Lebenseinkommen. Bei Akademikern ist die Arbeitslosenrate am niedrigsten, gefolgt von Maturanten. Erst dann kommen Facharbeiter mit Lehrabschluss, und mit Abstand am höchsten ist die Zahl der Arbeitslosen bei jenen, die lediglich die Pflichtschulzeit abgesessen haben.

Das sind die Fakten, die von den 15-Jährigen und ihren Eltern bei der Wahl des Ausbildungswegs ins Kalkül gezogen werden. Es wäre Zeit, dass auch Lehrbetriebe diese Tatsache zur Kenntnis nehmen und nicht mehr daran vorbeiargumentieren. Gerne wird noch immer eine vermeintliche Akademikerschwemme beklagt und von arbeitslosen Lehrern, taxifahrenden Ärzten oder hungerleidenden Kunsthistorikern erzählt. Doch das sind moderne Märchen, die der Realität am Arbeitsmarkt nicht entsprechen. Selbst Studien­abbrecher werden seltener arbeitslos als Facharbeiter.

Es gibt aber tatsächlich sehr gute Gründe für eine Ausbildung beim Installateur. Denn hier stimmt wirklich, dass ein besonders zukunftsträchtiger Beruf erlernt werden kann. Heizungswärme und Trinkwasser werden in unseren Breiten immer benötigt werden. Ob auf der anderen Seite beispielsweise ein Automechaniker, der mehr und mehr nur das Fahrzeug an den Computer anschließt und den angezeigten Teil austauscht, auf lange Sicht einen sicheren Arbeitsplatz haben wird, wage ich zu bezweifeln. Das beste
Argument für eine Lehre sind aber engagierte Betriebe, die jungen Menschen eine Perspektive bieten und ehrlich mit ihnen um­gehen. Ab Seite 8 finden Sie ein paar positive Beispiele dafür.

Nur eine Sache habe ich überhaupt noch nicht verstanden: Warum bei den Österreicherinnen und Österreichern ausgerechnet in den wirtschaftlich erfolgreichen und vergleichsweise gemütlichen 1990ern das Interesse am Kinderkriegen so abrupt gesunken ist. Können Sie sich das erklären? Ich nicht.

 


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