9/2015

Editorial 9/15

Credit: Adrian Batty

Sie wurde hineingelassen und willkommen geheißen.

von: Klaus Paukovits

Meine Großmutter hat ihre älteste Schwester erst am Ende ihres Lebens kennengelernt ... nein, ich fang anders an. 1899 wurde einer Kleinhäuslerfamilie in Westungarn ein Mädchen geboren. Mit 15 Jahren und viele Geschwister später entschloss sich dieses Mädchen, ihre Heimat zu verlassen. Wie hunderttausende andere in den verarmten Landstrichen der k.-u.-k.-Monarchie sah sie am alten Kontinent keine Zukunft. Österreich hatte gerade den Ersten Weltkrieg vom Zaun gebrochen, da gab sie dubiosen Menschenhändlern alles, was sie auftreiben konnte, und bekam einen Platz auf einem Schiff nach Amerika. Ihre ein Jahr später geborene jüngste Schwester hat sie daher nicht mehr kennengelernt – meine Großmutter.

In den USA hatte sie mehr Glück als viele andere Neuankömmlinge. Sie wurde hineingelassen, sogar willkommen geheißen, fand Arbeit, ein Zuhause, einen guten Mann, wurde heimisch und bekam Kinder. Soweit ich weiß, fiel einer ihrer Söhne in jenem Zweiten Weltkrieg, den ebenfalls wieder ein Österreicher angefangen hatte – im Kampf gegen seine Cousins und Onkel aus der alten Heimat seiner Mutter. Auch von denen starben einige. Tote Blutsverwandte auf beiden Seiten der Front.

Doch das Leben ging weiter. Erst als sie in Pension war, wollte sie noch einmal Nachschau halten und versuchte, überlebende Verwandte in ihrem Herkunftsdorf ausfindig zu machen. Aus Westungarn war längst das Burgenland geworden, das Internet war noch nicht erfunden, im Dorfwirtshaus gab es grad mal das erste Vierteltelefon – all das machte die Suche nicht einfacher. Doch viele Umwege später kam es wirklich zu einem Briefverkehr mit jener schon erwähnten jüngsten Schwester. Und Ende der 1970er-Jahre war es dann so weit: Meine Großeltern bestiegen das erste Flugzeug ihres Lebens, das sie nach New York brachte. Am John-F.-Kennedy-Airport fielen einander die Schwestern zum ersten und letzten Mal in die Arme: Meine burgenländische Oma mit Kittelschürze, Kopftuch und Mohnstrudel im Gepäck, und ihre besenstieldünne amerikanische Schwester in lilafarbenem Glitzeroverall mit knallgrau gefärbten Haaren.

Warum ich diese ebenso komplizierte wie kitschige Geschichte erzähle? Weil ich sicher bin, dass Sie aus Ihrer Verwandschaft ähnliche Geschichten kennen. Weil Menschen schon immer vor Krieg und Tod geflohen sind, vor der Zerstörung ihrer Existenzgrundlagen, oder einfach um Trostlosigkeit und Armut zu entkommen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben für sich und die eigenen Kinder – so wie meine Großtante, die ich nie kennengelernt habe. Es wird nie jeder das Glück haben, das sie dabei hatte. Die Welt ist nun mal nicht perfekt. Aber ich möchte zumindest in einer Welt leben, in der wir allen diese Chance gönnen.


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