9/2012 Sanitär
Matteo Thun: „Der Trend zu Hightech im Bad verschwindet." Foto: Steinegger

Individualität und Lowtech

Designer Matteo Thun kennt die Zukunft des Hotelbades.

Die Trends im eigenen Bad kommen meist aus der Hotelszene. Bestes Beispiel hierfür ist die Öffnung des Bades hin zum Schlafzimmer oder Wohnraum. Auch die Entwicklung der Konsolen und Aufsatzbecken nahm in den Hotelbädern ihren Anfang. Spannende Design- und Raumideen, die von Architekten und Designern in ganz verschiedene Richtungen weiterentwickelt werden: Der international renommierte Südtiroler De­signer und Architekt Matteo Thun prägt seinen Stil mit umweltfreundlicher, unverfälschter Architektur und unbehandelten Materialien. Für Duravit entstand unter diesem Gesichtspunkt die Badserie Onto. Individuell, unkompliziert, innovativ und nachhaltig. 
Im Interview zum Thema Hotelbad erklärt Matteo Thun, auf was es ihm ankommt.

Der Name Matteo Thun steht für umweltfreundliche Architektur, nachhaltiges Design und naturnahe Baustoffe. Sind diese Aspekte auch bei der Gestaltung von Hotels und speziell Hotelbädern tonangebend?

Matteo Thun: Gerade bei Hotelprojekten geht es um nachhaltige Gestaltung – das verlangt schon das Kostenbewusstsein. Wir legen Wert auf ökonomische Sinnhaftigkeit. Ein Projekt muss einen Lebenszyklus von 10 bis 15 Jahren garantieren, denn kein Investor kann sich alle fünf Jahre eine komplette Renovierung leisten. 

Welche Materialien bevorzugen Sie?

Thun: Ich bevorzuge natürliche und unbehandelte Materialien wie Holz und Naturstein. Es gilt Hightouch, nicht Hightech. Natürliche Materialien steigern unser Wohlgefühl. Nicht nur, dass sie das Raumklima verbessern, sie sprechen uns auch haptisch an – und durch diese Erfahrung wird der Mensch sich seiner Umwelt und seiner selbst bewusster und geht anders damit um. So gibt es in meinen Bädern keine Hochglanzflächen, keinen Hochglanzmarmor, keine zu Hochglanz geschliffenen Steine. Für uns gilt eine einfache Regel: Die Materialien sind bruchrau oder spaltrau, sie sind sandgestrahlt und dann gewachst.

Ihre Leidenschaft für das Material Holz spiegelt sich auch in der von ihnen für Duravit entworfenen Badserie Onto wider. Wie kam es zu dieser Kooperation?
Thun: In den Gesprächen zur Vorbereitung von ‚Onto’ haben wir bei vielen Themen die gleichen Vorstellungen, die gleiche Ästhetik festgestellt. 

Was war Ihr formaler Ansatz bei Onto?

Thun: Unsere Leitidee hinter dem Entwurf war Einfachheit, Leichtigkeit, Geschwindigkeit und Dauerhaftigkeit. Die neue Serie ist ideal für den Hotelbereich, lässt sich aber auch im privaten Bad unkompliziert umsetzen.

Hat das Hotelbad Ihrer Meinung nach in der heutigen Zeit einen anderen Stellenwert als früher bekommen?
Thun: Es wird im Hotel immer vom Wohnbad oder vom Erlebnisbad gesprochen. Das Erlebnisbad ist jedoch ein Trugschluss. Die Bäder werden in Hotels nicht größer, sondern es bleibt weiterhin bei kleinen Räumen. Versuchen Sie, diese in den Wohnraum und den Schlafbereich zu integrieren, heißt das ganz einfach „Wände weg“. Ausgeschlossen ist die Toilette, die aus hygienischen Gründen ein isolierter Raum bleiben sollte. 

Welche Kriterien sind bei der Planung und Ausstattung eines in ihren Augen gelungenen Hotelbades ausschlaggebend?
Thun: Beim Entwerfen eines Bads ist der Umgang mit dem Wasser und der Spaß mit ihm entscheidend. Das bedeutet keinen erhöhten Wasserkonsum, sondern es geht darum, die Faszination eines dynamischen Elements aufzunehmen. Wir vermeiden daher scharfe Ecken und Kanten, damit sich der Mensch nackt und instinktiv frei bewegen kann. Hygiene und Sauberkeit sind elementar – aus diesem Grund arbeiten wir seit über 25 Jahren nicht mehr mit Fliesen. Ein weiteres, sehr wichtiges Element ist das Licht – kein Bad ohne Tageslicht – und ausschließlich indirekte Lichtquellen.

Hotelbäder sind Trendsetter. Welche Trends für das Hotelbad sehen Sie in den nächsten ­Jahren? 
Thun: Der Trend zu Hightech verschwindet immer mehr – Lowtech und Individualität ist angesagt.

Kann man daraus auch eine Entwicklung für das private Bad ableiten?
Thun: Auch im privaten Bereich wird das Bad immer mehr in den gesamten Wohnbereich integriert, das koordinierte Baddesign gerät daher immer mehr in den Hintergrund – das Bad wird individueller, und auch für Holz ist mehr Platz.

Vielen Dank für das Gespräch.


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