7-8/2013 Heizung
Die Mikrogas-Turbine, der dauerhaft dichte Gasverdichter sowie der Abgas-Wärmetauscher sind das Werk eines engagierten Technikerteams (v.l.n.r.): Ing. Werner Nutz, Bereichsleiter Bau und Infrastruktur, Kuratiorium Wiener Pensionistenwohnhäuser; Mag. Stefan Vomela, Abteilungsleiter Gebäude und Energie im Kuratorium; Ing. Mag. Gerhard Kunit, Hauptabteilungsleiter technischer Kundendienst Wien Energie Gasnetz: DI (FH) Christian Pinter, Green Consulting; Karl Pauer, Haustechniker im Haus Tazerberg (nicht im Bild). Foto: Paukovits

Mehr Effizienz aus Gas

Die Wien Energie Gasnetz forciert Effizienztechnologien in allen Größenordnungen. In einem Pensionistenwohnheim wurde erstmals ein von einer Mikrogas-Turbine getriebenes BHKW in Betrieb genommen

Die volle Nutzung des Energieinhalts eines Brennstoffs wird  auf unterschiedlichen Wegen angepeilt. Bei Erdgas ist das in erster Linie die Brennwerttechnik, also die Nutzung jener bei der Verbrennung frei werdender latenter Abwärme, die zusätzlich zur direkten Verbrennungswärme anfällt. Brennwert ist gerade bei Gas bereits seit längerem Stand der Technik und wird auch in den meisten bekannten gasbetriebenen Blockheizkraftwerken eingesetzt. Mit BHKWs wird nicht nur Wärme, sondern auch Strom erzeugt, was den Wirkungsgrad der Anlagen deutlich erhöht. Gewöhnlich kommen Stirling-, Verbrennungs- oder Dampfmotoren zum Einsatz. Im Wiener Pensionistenwohnheim Trazerberg kommt seit einem Jahr erstmals in Österreich eine neue Form der Kraft-Wärme-Kopplung zum Einsatz: Hier sorgt die erste Mikrogas-Turbine für Wärme und Strom. Die Turbine mit einer elektrischen Nennleistung von 65 kW el und einer thermischen Nennleistung von 120 kW th wurde als Grundlastanlage in das Bestandsystem integriert. Teil der Anlage sind auch der erste technisch dauerhaft dichte Gasverdichter mit Magnetkupplung sowie ein Abgaswärmetauscher (120 kW) und ein Notstromaggregat.

Wärme hat Vorrang
Im Haus Trazerberg war technischer Sanierungsbedarf im Energiesystem gegeben. Drei schon in die Jahre gekommene Gaskessel (175 kW, 380 kW, 800 kW) sorgten für Grundlast und Spitzenabdeckung. „Das Kuratorium Wiener Pensionistenwohnhäuser betreibt insgesamg 31 Häuser in Wien, die insgesamt mehr Einwohner als die burgenländische Landeshauptstadt Eisenstadt haben“, sagt Ing. Werner Nutz, Bereichsleiter Bau und Infrastruktur des Kuratoriums: „In unseren Pensionistenwohnhäusern setzen wir bereits seit einiger Zeit vermehrt alternative Energiequellen und Effizienztechnologien wie Solarwärme, Erdwärmepumpen, Regenwassernutzung und LED-Beleuchtung ein.“ Also lag es nahe, auch für die Sanierung der Anlage Trazerberg in Hietzing einen neuen Weg zu gehen. Wegen der fehlenden Verfügbarkeit von Fernwärme blieb Gas der Energieträger erster Wahl. Mit DI(FH) Christian Pinter vom Ingenieurbüro Green Consulting wurde ein Partner gefunden, der die innovative Mikrogas-Turbine ins Spiel brachte. Die Maschine  der Firma Capstone wird in Österreich von Wels-Strom vertrieben und zeichent sich durch lange Laufzeiten und besonders hohe Umdrehungsgeschwindigkeiten aus. Pinter: „Mikrogas-Turbinen sind überall dort gut eingesetzt, wo die thermische Energiegewinnung im Vordergrund steht und eine vollständige, ganzjährige Wärmeabnahme bei langen Laufzeiten der Maschine gewährleistet ist.“ Im Haus Trazerberg sind das rund 8.200 Vollaststunden pro Jahr: Das BHKW läuft also so gut wie ganzjährig durch und sorgt für rund 15 Prozent der Wärmelast und für 40 Prozent des Stromverbrauchs.

Nicht von der Stange
Frühzeitig in das Projekt eingebunden wurde auch die Wien Energie Gasnetz, was die optimale Planung der Anlage erleichterte, meint Ing. Mag. Gerhard Kunit, Hauptabteilungsleiter technischer Kundendienst der Wien Energie Gasnetz: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass ein BHKW dann optimal wirtschaftlich ist, wenn es an die Bedürfnisse des Objekts bestens angepasst ist.“ So ist beispielsweise auf den Strombedarf des Hauses unbedingt zu achten, denn eine Einspeisung von Überschussstrom ins Netz ist in Österreich angesichts fehlender geförderter Tarife unrentabel. Auch die Wärme muss im Objekt so verbraucht werden, dass lange Laufzeiten des BHKW gesichert werden können – so wie es im Haus Tazerberg gegeben ist. Geeignet sind laut Kunit neben ganzjährig bewohnten und bewirtschafteten Häusern wie dem Pensionistenwohnhaus vor allem Gewerbebetriebe mit einem übers Jahr konstanten Bedarf an Wärme und Strom sowie Hotels, die sich ebenfalls für lange Laufzeiten anbieten. Mit einem BHKW ist auch ein gleichzeitiger Einsatz von Sorptions-Kältemaschinen sinnvoll, weil das bei winterlichem Heiz- und sommerlichem Kühlbedarf die Effizienz eines BHKWs weiter erhöht. „Wir bieten als Wien Energie Gasnetz eine Vorab-Beurteilung, ob ein Objekt für den Einsatz von Blockheizkraftwerken geeignet ist, sowie techn ische Projektbegleitung und Unterstützung bei der Einreichung und der Einhaltung der vorgeschriebenen Normen und Regelungen an“, erklärt Kunit, der sich von der Technologie einen großen Beitrag zur zukünftigen CO2-Einsparung verspricht.

39 Prozent Eigenstrom
Einen genauen Überblick über die Zahlen, die das erste Betriebsjahr gebracht hat, hat Mag. Stefan Vomela, Abteilungsleiter Gebäude und Energie im Kuratorium Wiener Pensionistenwohnhäuser. So hat sich der Strombedarf des Hauses von 945.000 kWh auf 577.000 kWh reduziert, was einer Eigendeckung von 39 Prozent entspricht. Die Einsparungen nach einem Jahr Betriebsdauer lassen sich demnach mit 35.-40.000 Euro pro Jahr beziffern. Bei einer Gesamtinvestition von knapp 200.000 Euro für die Gesamtsanierung inklusive Erneuerung des Kamins ist damit eine Amortisation in weniger als sechs Jahren zu erwarten – wobei das nicht ganz korrekt ist, denn eine technische Ersatzinvestition hätte in jedem Fall getätigt werden müssen, was die Amortisationszeit weiter senkt. Die einzige Förderung für diese Anlage waren jene 8.000 Euro für BHKWs aus der Wohnbauförderung, die in Wien aber mit Anfang 2013 bereits ausgelaufen und bei einem Projekt dieser Größenordnung ohnehin zu vernachlässigen sind – besser wäre, so der Tipp der Projektverantwortlichen an weitere Interessenten, derzeit die KPC-Förderung, die immerhin 30 Prozent der umweltrelevanten Mehrkosten ausmacht.


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