5/2019 Heizung

Potenziale ausschöpfen

Stadt Freiburg/Graphikbüro Gebhard/Uhl
Ein Gründerzeit-Ensemble aus zehn Mehrfamilienhäusern wurde genetisch saniert und die Wärme­gewinnung auf Solarthermie umgestellt.
Stadt Freiburg/Graphikbüro Gebhard/Uhl

Lohnt sich Solarthermie auch für größere Multifunktionsgebäude und Mehrfamilienhäuser? Die Stadt Freiburg sagt ja und beweist dies mit einem groß angelegten Demonstrationsprojekt.

von: Gordon Schadwinkel

Das Umweltschutzamt der Stadt Freiburg hat ein Solarthermie-Demons-trationsprojekt initiiert, das in einem Ensemble aus zehn Mehrfamilienhäusern umgesetzt wurde. Diese wurden vom Bauverein Breisgau hinsichtlich der Energieerzeugung und -verteilung saniert. Die Meibes System-Technik GmbH lieferte dafür sowohl die Solarübergabestationen als auch die dezentral eingesetzten Wohnungsstationen. Die Gebäude wurden in den Jahren 1903 und 1904 erbaut. Sie umfassen insgesamt 92 Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten auf knapp 5.000 m2 Gesamtfläche. Der Heizenergiebedarf des gesamten Komplexes beträgt rund 630 Mwh pro Jahr. Vor der energetischen Sanierung wurden die meisten Wohnungen mit einer Gas-Etagenheizung versorgt, in manchen waren Einzelöfen installiert. Diese sollten durch eine zentrale Wärmeversorgung über ein Mikrowärmenetz unter Einbindung einer großen Solarthermie-Anlage in Verbindung mit einer dezentralen Warmwasserbereitung durch Wohnungsstationen ersetzt werden. Das Netz besteht aus zehn Wärmespeichern mit 1.200 bis 1.700 l Volumen und 76 Flachkollektoren auf den Dächern der Gebäude. Diese erbringen eine Nennleistung von 150 kW, hinzu kommt ein Blockheizkraftwerk mit thermischen Leistungen von bis zu 47 kW. Um die durch Sonnenenergie erzeugte Wärme den Wohneinheiten zur Verfügung stellen zu können, bedarf es eines solaren Trennsystems mit integriertem Plattenwärmetauscher. Dieser überträgt die Wärme aus dem Wasser-Frostschutz--Gemisch, das die Kollektoren durchfließt (Primärkreislauf), auf das Wasser, das dem Speicher zugeführt wird (Sekundärkreislauf). Die Wahl fiel auf die Wärmetauscher-Solarstation „Solar XXL“ von Meibes, die für bis zu 70 l/min Volumenstrom und Temperaturen bis zu 110 °C ausgelegt ist und sich somit optimal für den vorliegenden Anwendungsfall eignet. Neben einem Plattenwärmetauscher aus rostfreiem Edelstahl inklusive Blockisolierung verfügt die Station über zwei Umwälzpumpen für den Primär- und Sekundärkreis sowie über zwei Volumenstrombegrenzer. Diese ermöglichen die Durchführung des hydraulischen Abgleichs.

Bilanz nach zwei Jahren Betrieb
Gefördert wurde das Projekt vom Badenova Innovationsfonds; das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme stand bei der -Umsetzung fachlich beratend zur Seite. Gut zwei Jahre nach Inbetriebnahme des neuen Wärmenetzes zeichnet sich ab: Das Projekt ist ein voller Erfolg. „Wir sind sehr zufrieden mit der neuen, innovativen Wärmeversorgung in unserem Gebäude-Ensemble in der Emmendinger Straße“, resümiert Michael Simon, Leiter der Bauabteilung beim Bauverein Breisgau. „Ich würde mich freuen, wenn andere Wohnungsgesellschaften, Baugenossenschaften oder sonstige Eigentümer von Mehrfamilienhäusern unser Pilotprojekt zum Anlass nehmen und bei der Erneuerung ihrer Wärmeversorgung die Solarthermie und die Einbindung eines BHKW in Betracht ziehen“, so Simon. Der solare Wärmebeitrag deckt rund 11 Prozent des Gesamtwärme-verbrauchs des Gebäudekomplexes, im Sommer liegt der Deckungsbeitrag sogar bei 60 Prozent.

Lesen Sie den ungekürzten Bericht ab Seite 38 der aktuellen Ausgabe 5/2019!


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