6/2013
„Bisher hat der Sanierungsscheck praktisch keine zusätzliche Nachfrage generiert.“ Andreas Kreutzer, Kreutzer, Fischer & Partner Foto: KFP

Sanierungsscheck wirkungslos?

Förderungen sollten gezielt ärmeren Haushalten zugutekommen, fordert Marktforscher Andreas Kreutzer.

Für Andreas Kreutzer, Gründer und Geschäftsführer von Kreutzer, Fischer & Partner, sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache: „Öffentliche Förderungen verfehlen offensichtlich ihr Ziel“, sagt der Marktforscher, der die Baubranche und das Nebengwerbe seit Jahren mit Marktübersichten und Branchenradars versorgt. Demnach sei praktisch die gesamte Fördersumme in Höhe von 100 Millionen Euro in Mitnahmeeffekten versickert – also in Sanierungsprojekten, die von den Gebäudebesitzern auch ohne den Zuschuss der öffentlichen Hand sowieso durchgeführt worden wären. Seine überraschende Schlussfolgerung: Gefördert werden sollten jene vermögensschwachen Haushalte, die sich die energetische Sanierung ihres Hauses nicht leisten können.

Keine zusätzliche Nachfrage

Kaum ein anderes bauwirtschaftliches Thema wurde in den letzten Jahren so getrommelt wie die energetische Gebäudesanierung. „Und damit auch fleißig gedämmt wird, stellte der Staat hunderte Millionen an Förderungen zur Verfügung“, sagt Kreuzer und ergänzt: „Die Bilanz ist enttäuschend. Bislang hat der Sanierungsscheck praktisch keine zusätzliche Nachfrage generiert.“
Die Basis für diese starken Aussagen sind die Analysen des Baustoffmarktes. Die Nachfrage nach Baustoffen zur energetischen Gebäudesanierung sei im Vorjahr sehr schwach gewesen, so Kreutzer. Im Jahr 2012 sank der Absatz von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) für die Fassadensanierung um fast vier Prozent. Noch schlimmer war die Situation bei Fenstern. Das Austauschgeschäft sank um fast sechs Prozent. Auch eine mittelfristige Betrachtung macht die Sache nicht besser. Zwischen 2009 und 2012 stieg die Nachfrage nach Wärmedämmverbundsystemen für Sanierungsprojekte pro Jahr um durchschnittlich gerade mal 80.000 Quadratmeter. Das entspricht etwa 300 Einfamilienhäusern pro Jahr. Der Austausch von Fenstern schrumpfte seit 2010 sogar um durchschnittlich mehr als vier Prozent pro Jahr. Doch während man sich bei Fenstern trotz sinkender Nachfrage mit der anhaltend hohen Sanierungsquote von über drei Prozent des Gebäudebestandes tröstet, liegt selbige in der Fassadendämmung weiterhin nur bei knapp über einem Prozent. Entsprechende Daten über die Heizungssanierung sind derzeit gerade in Fertigstellung, auch der Heizungsmarkt 2012 wird von Kreutzer, Fischer & Partner evaluiert. Doch schon jetzt lässt sich sagen, dass die Ergebnisse eine ähnliche Sprache sprechen werden wie bei den Baustoffen. „Falls die staatlichen Förderungen also zum Ziel hatten, die Anzahl der energetischen Gebäudesanierungen zu erhöhen, muss die Zielerreichung als verfehlt bezeichnet werden“, sagt Andreas Kreutzer. Umso mehr, als im genannten Zeitraum vielerorts Sparvermögen in Realinvestitionen umgeschichtet wurden und Kredite so billig zu haben waren wie lange davor nicht. Und von alldem hat natürlich auch der Baubereich profitiert.

Lesen Sie den gesamten Artikel in Ausgabe 6/2013 ab Seite 12.


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