5/2021 Heizung Klima-Lüftung

Spannende Zeiten liegen vor uns

Quelle: BMK/Cajetan Perwein
„Bis 2030 werden wir in Österreich 100 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugen.“ Klimaschutzministerin Leonore Gewessler
Quelle: BMK/Cajetan Perwein

Österreich klimafreundlich umgestalten

von: Manfred Strobl

Klimaschutzministerin Leonore ­Gewessler hat am 11. März 2021 ­gemeinsam mit Vizekanzler Werner Kogler und Staatssekretär Magnus Brunner das ­Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz – kurz EAG – präsentiert. Das EAG ist das Gesetz für die österreichische Energiewende und ein ­wesentlicher Schritt in Richtung Klimaneu­tralität.
Im Jahr 2030 wird Österreich 100 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien produ­zieren. Das EAG stellt dafür ein passendes Fördersystem zur Verfügung. Insgesamt ­werden bis 2030 jährlich eine Milliarde Euro in den Ausbau der Erneuerbaren investiert.
Rund 500 Millionen Euro sind für grünen Wasserstoff für die CO2-neutrale Industrie, zum Beispiel die Stahlproduktion, vorge­sehen. Auch das Eine-Million-Dächer-Programm der Bundesregierung zum Ausbau des Sonnenstroms wird einen wichtigen Beitrag zum ­Erfolg der Energiewende ­leisten. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler im Interview zu aktuellen Fragen.

Frau Minister, warum soll grüner Wasserstoff nur in der Industrie Verwendung finden?
Klimaschutzministerin Leonore Gewessler: Wasserstoff ist ein enorm wertvoller Energieträger und teuer in der Herstellung. Darum wollen wir ihn gezielt dort einsetzen, wo wir keine Alternativen haben. Der Fokus wird dabei ganz klar auf der Industrie liegen. Grüner Wasserstoff ist in vielen Bereichen die einzige Möglichkeit zur Dekarbonisierung. Wir haben für viele Anwendungen, beispielsweise das Heizen, eine Menge an marktreifen und leistbaren Möglichkeiten zum klimafreundlichen ­Umbau. In einigen Bereichen, beispiels­weise der chemischen ­Industrie oder der Stahlindustrie, ist man aber entweder aus prozesstechnischen oder aufgrund der Energiedichte auf Lösungen wie Wasserstoff ­angewiesen. Wir wissen heute bereits, dass Wasserstoff auf sehr lange Zeit ohne starke Subventionen für diese Sektoren nicht leistbar sein wird. Insofern ist es sinnvoll, den Einsatz von grünem Wasserstoff zu fokussieren, damit wir unsere finanziellen Mittel möglichst sinnvoll einsetzen und keine Energie verschwenden.

Etwa 2.000 km Länge umfasst das Erdgasnetz in Österreich. Auf diese Infrastruktur wird sicher nicht verzichtet. Ist es möglich, Erdgas komplett durch Biogas zu ersetzen?
Gewessler: Nein, hier werden wir viel ­stärker auf Alternativen setzen müssen. Energie soll leistbar sein und sicher den Menschen und den Unternehmen zu Ver­fügung gestellt werden. Deshalb werden wir nicht einfach fossiles Gas durch grünes Gas ersetzen ­können, und ­gerade in der Raumwärme ­kennen wir heute schon bessere und klimafreundliche Möglichkeiten. Damit können wir den ­Gasbedarf langfristig senken, damit wir ge­nügend grünes Gas für die Anwendungen haben, in denen es diese Alternativen nicht gibt.

Wie wird sich das EAG auf die Energiepreise auswirken?
Gewessler: Durch den Ausbau erneuer­barer Energien wird auch der Energiepreis stabiler. Bei fossiler Energie sind wir stark von internationalen Märkten abhängig und leider sehr oft von globalen Krisen betroffen. Das heißt, der globale Ölpreis dominiert ­unsere Energiekosten. Erneuerbare Energien wie Wasserkraft, Sonnenenergie und Windkraft lösen dieses Problem, und wir wissen, dass eine Photovoltaikanlage oder eine Windkraftanlage, die heute in Betrieb geht, 20 Jahre lang dieselben Kosten verursacht wie heute. Wir sichern also langfristig eine leistbare und ­sichere Energieversorgung, weil wir mit heimischem Ökostrom unabhängiger werden von Importen aus Staaten wie Libyen oder Russland.

Diesen Beitrag finden Sie ungekürzt auch auf Seite 40 der aktuellen Ausgabe 5/2021!


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