6/2022 Installationstechnik Sanitär

Was kommt, was bleibt, was geht?

VIZ / Riedl
Markus Riedl, VIZ-Obmann
VIZ / Riedl

Alles neu beim Verein der industriellen Zuliefer-Industrie? Ein Gespräch über die letzten Jahre, den Status quo sowie die Zukunft mit VIZ-Obmann Markus Riedl.

von: Redaktion

VIZ 2022 – wie waren die vergangenen zwei (Pandemie-)Jahre aus Ihrer Sicht?
Markus Riedl: Die Einschränkungen beim physischen Kontakt haben die Art der Kommunikation mit unseren Kunden sehr verändert. Es wurde mehr über digitale Kanäle kommuniziert, doch die können die persönlichen Kontakte nicht ersetzen. Es wird aber einiges bleiben, weil es funktioniert hat. Etwas was sich noch gezeigt hat, dass die SHK Branche eine sehr krisensicher Branche ist. Das Thema Klimawandel gekoppelt mit eingeschränkten Reisemöglichkeiten, hat den Installateuren einen Auftragsschwung gebracht. Dadurch sind die beiden Pandemiejahre für alle in der Branche sehr erfreulich verlaufen.

Wo sieht der VIZ die größten Herausforderungen und die größten Chancen für die Branche?
Riedl: Die größte Herausforderung sehen wir im Nachwuchs. Die Branche benötigt gut ausgebildete Fachkräfte um das gesamte Volumen der Aufträge und Anfragen abzuarbeiten. Der Umstieg auf klimafreundlichere und nachhaltigere Systeme sind enorme Herausforderungen für uns. Wir wollen und müssen das schaffen. Der VIZ und seine Mitglieder engagieren sich deswegen auch sehr stark in der Wissensvermittlung mit seinen Kooperationsschulen. Wir stehen zwar erst am Anfang, aber alle haben erkannt, dass das ein wichtiger Baustein für die Zukunft ist. Gerade durch diesen notwendigen Wandel, haben wir enorme Chancen für die Zukunft. Die Kundeen wollen nachhaltige und klimafreundliche Gebäudetechnik, ohne dabei auf den Komfort verzichten zu müssen. Die Industrie kann alles dazu liefern und das Handwerk kann es ausführen. Für die Nachhaltigkeit wird es aber notwendig sein, die Gebäudetechnik regelmäßig zu warten und instand zu halten. Und hier kommt eine Gruppe ins Spiel, die wir derzeit nur am Rande sehen. Der Facility Bereich wird zunehmend an Bedeutung gewinnen und mehr in unseren Mittelpunkt rücken. Das eröffnet neue Chancen, auch für das Handwerk..

Per Aussendung hat man Anfang des Jahres die Aufkündigung der Kooperation mit der Messe Wels bekannt gegeben – wie kam es dazu?
Riedl: Der VIZ hat sich in den vergangen Jahren aktiv bei der Messe Wels eingebracht; wir haben hochkarätige Vortragende organisiert, für die Messe bei unseren Mitgliedern geworben, Feedback von unseren Mitgliedern zur WeBuild geliefert etc. Wir hatten jedoch zunehmend den Eindruck, dass sich die Kooperation zu einer Einbahnstraße entwickelt hat. Wir sahen daher in dieser Kooperation keinen Sinn mehr und stecken unsere Zeit und Energie lieber in Aktivitäten, die unseren Mitgliedern mehr bringen. Wenn die Messe Wels wieder ernsthaft mit uns kooperieren will, dann steht unsere Türe für Gespräche jederzeit offen. 

Sind Messen generell für den Verband ein Thema oder agieren da „nur“ die Mitglieder aus der Industrie selbstständig?
Riedl: Messen sind für den VIZ sehr wichtig. Sie sind eine Kommunikationsplattform, die auch wir gerne nutzen. Die SHK Branche verdient auch eine Branchenmesse. Wir unterscheiden im VIZ aber ganz klar zwischen gemeinsamen Aktivitäten, die der Verband wahrnimmt und Aktivitäten, die jedes Mitglied setzt. Die Entscheidung, wo und wann ein Mitglied ausstellt, trifft jedes VIZ Mitglied allein. Wir im VIZ können und wollen uns dabei nicht einmischen.

Wagt der VIZ eine Prognose zur wirtschaftlichen Entwicklung?
Riedl: Nun das ist im aktuellen Umfeld nicht leicht. Wir glauben an einer weiteren starken Nachfrage und damit positiven Entwicklung. Alleine die Umstellungen bei den Heizungssystemen haben enormes Potenzial, aber auch die Trinkwasserhygiene und der sorgsame Umgang mit dieser Ressource wird uns Wachstum bescheren. Wir glauben der Aufwärtstrend wird daher anhalten. Den zunehmenden Fachkräftemangel muss die Branche aber in den Griff bekommen. Hier sind in erster Linie aber die Handwerksbetriebe gefordert. Es reicht heute halt nicht mehr aus zu warten, bis jemand an die Tür klopft und nach einer Arbeit oder Lehre fragt. Man muss aktiv auf den Arbeitsmarkt zugehen, suchen und akquirieren. Die Betriebe, die das bereits seit Jahren machen, haben weniger Probleme mit Mitarbeitern. 
Die Lieferschwierigkeiten werden vermutlich bald weniger werden. Wir sehen aber hier zunehmend das Problem, dass das Handwerk mehr kauft und auf Lager legt als notwendig. Das fördert die Problematik mit den Lieferschwierigkeiten und den Materialengpässen. Um die Nachfrage dennoch zu decken, versuchen wir Kapazitäten in der Industrie aufzustocken. Dadurch wird am Markt mehr an Rohstoffen nachgefragt, was wiederum die Preise anziehen lässt. Es beißt sich hier die sprichwörtliche Katze in den Schwanz. Die Preisspirale wird sich sicher aber bald auch wieder langsamer drehen und der Markt stabilisieren.

Welche sind die aktuell wichtigsten Trends?
Riedl: Aktuell zeigen sich zwei Trends in der Branche:

  1. Eine Zunahme der Hamsterkäufe: die Firmen kaufen weiter Material, das sie aktuell nicht brauchen und legen es sich auf Lager. Das hat vermutlich zwei Gründe. Erstens die Sorge um Materialknappheit und damit die Sorge, Aufträge nicht abschließen zu können und zweitens die Spekulation jetzt noch günstiger einkaufen zu können und teurer verkaufen zu können und damit höhere Gewinne erzielen zu können. Beides nachvollziehbare Argumente und ein Trend, der die Branche noch länger beschäftigen wird.

  2. Starkes Wachstum bei nachhaltiger Energie und Systemen. Aktuell verschiebt sich der Markt weiter vom Bad zur Heizung. Angesichts der Debatte um die fossilen Brennstoffe durchaus verständlich, nachvollziehbar und notwendig. Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, muss auch die Gebäudetechnik im Altbau und der Sanierung verstärkt erneuert werden. Hier sind die VIZ Mitglieder ideale Marktpartner. Wir haben die qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Produkte, die der Handwerker benötigt, dazu ein sehr gutes Servicenetzwerk.

 Wie intensiv wird die (jährliche?) Trendstudie nachgefragt bzw. in welcher Auflage erscheint sie?
Riedl: Die Trendstudie wird seit 2021 nicht mehr im klassischen Sinne aufgelegt und gedruckt. Wir haben uns für eine nachhaltigere Variante entschieden und legen die Trendstudie nur mehr digital auf. Im Jahr werden rd. 110 Exemplare verkauft, wobei der Großteil am Trendkongress verteilt wird. Das Potential liegt sicherlich höher, was aber auch eine Frage des Bekanntheitsgrades ist. Wir wollen das Potential jedenfalls weiter ausbauen. Deswegen gibt es auch zur Studie seit 2020 ein halbjährliches Update und das zu einem vergleichsweise geringen Paketpreis von nur 150,- .

Warum fand der Trendkongress am 5. Mai lediglich virtuell statt?
Riedl: Der Trendkongress ist und bleibt eine Präsenzveranstaltung. Da Datenmaterial einen Zeitwert hat, haben wir uns entschlossen, den Teilnehmern halbjährlich ein Datenupdate zu liefern. Dieses virtuelle Meeting am 5. Mai, war jetzt die erste Veranstaltung mit neuem Datenmaterial. Wir vergleichen dabei auch kritisch die Aussagen und Zahlen vom Herbst. Und die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Entscheidung eines Datenupdates genau richtig ist. Hier haben wir jetzt gesehen, dass die Betriebe entgegen unserer Prognose im November, Material weiter hamstern und nicht wie von uns vermutet, Lagerbestände abbauen. Auch hat sich eine stärkere Verlagerung vom Sanitär zur Heizung gezeigt. Auch das Entwicklungen, die sich so im Herbst nicht abgezeichnet haben. Wir im VIZ haben es uns zum Ziel gesetzt Qualität zu liefern. Dazu gehört eben auch das ständige kritische hinterfragen von Trends und Entwicklungen. Das nächste Datenupdate wird es am 10. November 2022 geben. Hier findet der 9. Trendkongress statt. Anmeldungen sind bereits über 
https://trendkongress.viz.at möglich.

Abschließende Worte?
Riedl: Wir würden uns freuen, wenn die VIZ Gemeinschaft weiter wachsen würde. Unsere Themen beschäftigen viele Industriefirmen. Gemeinsam bringen wir aber mehr weiter. Wir im VIZ sind für alle Firmen offen und decken auch als einziger Verband alle Themen der SHK Branche ab. Wir verfolgen klare Ziele wie Wissensvermittlung, Trends und qualitativ hochwertige Systeme und Ausbildung. Gerade zum letzten Thema haben wir letztes Jahr begonnen, mit fast allen Schulen (HTLs und Berufsschulen) Kooperationsvereinbarungen abzuschließen. Wir vom VIZ kümmern uns um den Nachwuchs und stellen den Schulen und dem Lehrpersonal die neuesten Entwicklungen in Form von Vorträgen und Bildmaterialien zur Verfügung. Wir stehen zwar hier noch am Anfang, allerdings ist das Echo auf beiden Seiten sehr positiv. Damit sind wir im VIZ Vorreiter und diese Rolle liegt uns.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

 

 


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