7-8/2013

Editorial 7_8_2013

Mag. Klaus Paukovits Foto: Adrian Batty

Brot zu teuer? Sollen die Leut‘ halt Kuchen essen. Energie zu teuer? ...

Am 17. September 1911 brach in Wien eine Brotrevolte aus. Mehr als 100.000 Menschen demonstrierten in Ottakring gegen zu hohe Lebensmittelpreise, die Polizei und das Heer marschierten auf, es kam zu Straßenschlachten, der ganze Bezirk wurde abgeriegelt und von den Ordnungskräften nach heftigen Kämpfen militärisch eingenommen. Es gab Tote und Verletzte und einen tiefsitzenden Schock bei allen Parteien, die rasch übereinkamen, so etwas nie wieder erleben zu wollen. Eine Folge daraus war die sogenannte Brotpreisbindung, mit der die Sozialpartner jahrzehntelang den Preis für Grundnahrungsmittel an die Lohnentwicklung koppelten. Die Brotpreisbindung wurde in Österreich erst 1994 aufgehoben, aber die Preisentwicklung bei Lebensmitteln wird bis heute permanent kritisch beäugt. Ein Blick in die Welt zeigt, dass das schon richtig ist: Permanent gibt es irgendwo auf dem Globus Demonstrationen, Streiks und Aufstände wegen zu hoher Lebensmittelpreise. Der arabische Frühling begann mit solchen Brotaufständen. Selbst ein europäisches Industrieland wie Frankreich hatte erst vor einigen Jahren seine letzten Brotaufstände, sodass sogar eine Wiedereinführung der Brotpreisbindung im Raum stand. Lebensmittel dürfen nicht zu teuer werden, sonst gibt es Bürgerkrieg. Hungrige Menschen haben nichts zu verlieren.

Die andere Seite der Medaille: Lebensmittel sind zu billig. Zumindest bei uns, in der ersten Welt. Wenn der Konsument eine vollwertige tiegekühlte Hauptmahlzeit um 2 Euro 99 haben will, ist es kein Wunder, dass die Produzenten vergammeltes Pferdefleisch reintun. Und aus welchem Getreide ein geschnittener, plastikverpackter Toastleib um 39 Cent gebacken wird, will ich mir gar nicht vorstellen. Zu den Mini-Preisen, die die Leute bei uns für Lebensmittel zu zahlen bereit sind, kann nur eine qualitätsmissachtende Agroindustrie liefern. Bauern, die auf Nachhaltigkeit und Qualität setzen, die ihr Saatgut nicht jedes Jahr neu bei Chemiekonzernen kaufen wollen und die passenden Herbizide gleich dazu, müssen sich ihre Nischenmärkte hart erarbeiten. Gute Lebensmittel sind nun einmal teurer. Es wird sehr lange dauern, bis hier ein Wertewandel stattgefunden und hochwertige, leistbare, aber eben etwas weniger billige Lebensmittel von der Mehrheit akzeptiert werden.

In Ägypten brach im Vorjahr die erste Energierevolte aus. Grund war der Preisanstieg für das Propangas, dass die Ägypter fürs Kochen benötigen – weil die Regierung die Subvention für das Kochgas streichen wollte. Die Subventionen mussten wieder eingeführt werden. Dass das der letzte Energieaufstand auf der Welt bleiben wird, wage ich zu bezweifeln ...


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