11/2020

In Tirol weht ein anderer Wind

Rath / WKO
Geballte Tiroler Power (v.l.): Der Meister-Trainer Gerold Taxer, Daniel Garzaner, Julia Kirchner und Weltmeister sowie Co-Trainer Armin Taxer.
Rath / WKO

In der letzten Ausgabe berichteten wir über den BLWB 2020 – nun wollten wir uns die Tiroler Stockerlplätze 1 und 3 nochmal genauer anschauen.

von: Martin Pechal

In Tirol weht ein anderer Wind – das ist in der Branche hinlänglich bekannt und wird immer wieder durch das gute Abschneiden der Teilnehmer aus eben diesem Bundesland bewiesen. „Der österreichische Installateur“ wollte deshalb mehr über die Hintergründe, die ausbildenden Firmen, den Meister-Trainer Gerold Taxer und last, but not least die beiden erfolgreichen Teilnehmer des heurigen Jahres erfahren. Die Gebäudetechnik Garzaner GmbH ist ein kleines gebäudetechnisches Installationsunternehmen mit Sitz in Vomp. „Die Lehrlingsausbildung ist uns sehr wichtig“, betont  Manfred Garzaner, Vater des Erstplatzierten Daniel. Leider sinkt die Anzahl der technisch interessierten Lehrlinge und es wird immer schwieriger, gute motivierte Jugendliche zu finden, schickt Garzaner hinterher:

Ihre Motivation, den Handwerksnachwuchs zu fördern?
Garzaner: Die Lehrlingsausbildung nehmen wir sehr ernst; bei uns werden die Lehrlinge nicht als billige Arbeitskraft angesehen, sondern beginnen bereits nach einer kurzen Eingewöhnungsphase selbstständig ihre Tätigkeiten auszuführen. Somit werden sie sicherer in der Arbeitsabwicklung und dadurch steigt auch ihre Motivation und das technische Verständnis. Wichtig ist es, den jungen Leuten die Richtung vorzugeben und sie in jedem Belang zu unterstützen.

Warum glauben Sie, schneidet Tirol bei Wettkämpfen überdurchschnittlich gut ab?
Garzaner: Das liegt meiner Meinung nach hauptsächlich an dem unermüdlichen Einsatz des Landestrainers Taxer Gerold; er bringt das notwendige Feingefühl mit und schafft es, immer wieder die Teilnehmer zu motivieren. Wir möchten ihm hiermit für seinen Einsatz danken – das ist nicht immer selbstverständlich. 

Was tun Sie als Betrieb, um die Lehrlinge (besonders bei Wettkämpfen, aber auch einfach als Arbeitgeber) besonders zu unterstützen bzw. noch attraktiver zu sein?
Garzaner: Eigentlich braucht man den guten ehrgeizigen Lehrlinge nur den notwendigen Spielraum zu geben – die wissen schon, wo es hingeht. Wir unterstützen sie gerne, wenn sie was brauchen.

Die selben Fragen erörterten wir auch mit Ing. Thomas Plangger, MBA, von Plangger Haustechnik in Walchsee. Das Unternehmen hat ca. 30 Mitarbeiter und wurde im Jahr 1984 gegründet. Angeboten werden Dienstleistungen für die Installation und den Service im gesamten Haustechnikbereich – Elektroinstallationen inklusive! Seit Jahrzehnten wird auf eine fundierte Ausbildung der Mitarbeiter und Lehrlinge besonders Wert gelegt, um den Kunden eine professionelle hochqualitative Facharbeit bieten zu können. Auch Julia Kirchner fühlt sich bei Plangger sichtlich wohl – das verdeutlich auch ihr guter dritter Platz beim diesjährigen Bundeslehrlingswettbewerb.

Lehrlingsausbildung, eine Herzensangelegenheit – Ihre Motivation den Handwerksnachwuchs zu fördern?
Plangger: Aufgrund des schon jahrelang herrschenden Fachkräftemangels (der immer schlimmer wird) ist es unsere Pflicht sehr gute Handwerker auszubilden mit besonders guten Zukunftschancen für die Mitarbeiter und auch um den Handwerksbetrieb über Jahre hinaus abzusichern und Marktfähig zu bleiben.

Warum glauben Sie schneidet Tirol bei Wettkämpfen überdurchschnittlich gut ab?
Plangger: Die Ausbildung der Lehrbetriebe und besonders der große persönliche Einsatz von Herrn Gerold Taxer in Verbindung mit der Wirtschaftskammer ist das Erfolgsgeheimnis.

Was tun Sie als Betrieb um die Lehrlinge (besonders bei Wettkämpfen aber auch einfach als Arbeitgeber) besonders zu unterstützen bzw. noch attraktiver zu sein!
Plangger: Wenn ein Lehrling wie z. B: Julia Kirchner die mustergültig noch nebenbei Lehre mit Matura macht und alles mit exzellenten Noten in Kurzzeit abschließt, ist es das mindeste als Lehrbetrieb den Lehrling so gut als möglich zu unterstützen. Die Zeitaufwände können nicht alle in der Freizeit aufgebracht werden und werden von uns unterstützt damit die Teilnahme und Vorbereitung bei solchen Veranstaltungen möglich ist. Es werden für jeden erfolgreichen Lehrling individuelle finanzielle und materielle Anreize geboten um den Lehrberuf attraktiv zu machen. Weiters wird auf eine sehr gute Ausbildung wert gelegt wo die Lehrlinge umfassend ausgebildet werden und bestens für die Zukunft vorbereitet werden.

 

Im Gespräch mit Julia Kirchner und Daniel Garzaner

Wie wichtig ist für euch der Sieg bzw. die Teilnahme an Wettkämpfen?
JULIA: Die Teilnahme am Bundeslehrlingswettbewerb hat für mich persönlich einen sehr hohen Stellenwert, da ich erst die zweite Frau bin, die sich für die Staatsmeisterschaft qualifizieren konnte. Man sollte seinen Erfolg nicht an den Siegen messen, sondern daran, dass man sich jedes Jahr weiterentwickelt.
DANIEL: Die Teilnahme am Wettbewerb hatte für mich zu Beginn des Trainings keinen besonderen Stellenwert. Dennoch ehrt es mich, einer von wenigen zu sein, die einen solchen Antritt wagen dürfen. Rückblickend haben wir uns sehr stark weiterentwickelt und verbessert. Ein Top-3-Platzierung rückte für uns mit fortschreitendem Training immer mehr in den Vordergrund.

Liebstes Betätigungsfeld im Unternehmen?
JULIA: Ich kann mich für alles sehr begeistern, dennoch bevorzuge ich die Montage der Fußbodenheizung und das Komplettieren. Allerdings bin ich zurzeit im Service aktiv.
DANIEL: Eine genau Tätigkeit, die ich am liebsten mache, gibt es für mich in diesem Sinne nicht. Ich liebe die Abwechslung im Beruf und vor allem den Zusammenhang mit der Technik.

Wichtigstes Hobby zum Ausgleich?
JULIA: Das Team Tirol ist mit Leidenschaft bei der Sache und somit brauche ich, um ehrlich zu sein, nicht wirklich einen Ausgleich.
DANIEL: Da ich meinen Job sehr liebe, verbringe ich gerne Zeit damit, ihn kompetent und verantwortungsbewusst auszuführen. Nach der Arbeit reicht für mich eine kleine Tour in die Berge vollkommen aus, um einen Ausgleich zu schaffen.

Wie viele Stunden wurden (ca.) trainiert für den letzten Wettkampf?
Julia: Da ich etwas später erst zu trainieren begonnen habe, hatte ich für den Bewerb im März knapp zwei Wochen Zeit zum Trainieren. Die Auffrischung erfolgte eine Woche lang vor dem Bewerb im September.
Daniel: Gute zwei Wochen für den Termin im März. Da ich derzeit beim Zivildienst tätig bin, hatte ich nur ein paar Tage Zeit zur Auffrischung.

Habt ihr Vorbilder, die euch im Job beflügeln?
JULIA: Auch wenn ich kein konkretes Idol habe, sehe ich dennoch sehr zu unseren Trainern Gerold Taxer und Co-Trainer Armin Taxer auf.
DANIEL: Die meiste Begeisterung und Motivation gebührt meinem Vater und Firmengründer, welcher für jedes Problem und jede Situation eine Lösung findet. Ständig arbeitet er an technologischen Innovationen und -neuen Systemen.

Warum habt ihr euch dazu entschlossen, die Berufsausbildung zum Installateur zu machen?
JULIA: Aufmerksam auf diesen Beruf wurde ich durch einen damaligen Freund, der diesen selbst ausübt. Ein Praktikum konnte anschließen meine Begeisterung nur noch bestätigen – ich werde Installations- und Gebäudetechnikerin.
DANIEL: Installateur ist ein vielseitiger Beruf, der Stand der Technik ändert sich zudem laufend, somit bildet man sich ständig weiter. Außerdem hat mich Technik immer schon fasziniert.

Julia, als junge Dame unter lauter jungen Männern – angenehm oder lästig?
JULIA: Es ist nicht immer einfach, das ist sicher, man muss auf jeden Fall einiges aushalten können, was unangebrachte Sprüche und Bemerkungen angeht. Meiner -Meinung nach muss man als Frau doppelt so viel leisten als ein Mann, da wir leider immer noch aufgrund des Geschlechts so stark unterschiedlich bewertet werden.

Anders gefragt: Warum, glaubst du, entscheiden sich nach wie vor wenig(er) Mädchen für diesen Berufszweig?
JULIA: Im Allgemeinen glaube ich, dass sich viele junge Frauen selbst unterschätzen und sich zu wenig zutrauen. Ebenso scheuen viele vor dem Schmutz, der körperlichen Belastung und dem eher etwas rauen Umgangston zurück.

Hast du Ideen, wie sich das ändern ließe?
JULIA: Ich merke bereits jetzt, dass sich einige junge Frauen für handwerkliche Berufe entscheiden, dennoch sind wir klar in der Unterzahl. Derartige Wettbewerbe führen sicherlich dazu, die Präsenz der Frauen zu fördern; durch viele technische Hilfsmittel sinkt zudem die Belastung auf der Baustelle. Zugleich sind viele Aufgaben meist mental zu bewältigen – deutlich wird dies bei unseren Meisterschaften, bei denen auch wir Frauen ganz vorne mitmischen.

Dein Karriereziel?
JULIA: Ich möchte im Leben noch so viel erreichen. Lehre und Matura habe ich schon. Mein nächstes Ziel ist eindeutig die Meisterprüfung, was danach kommt ist noch nicht ganz gewiss, aber ich habe große Freude gefunden im Lehren. Eventuell nutze ich diese Fähigkeit in einigen Jahren, auch wenn ich mir noch nicht im Klaren bin, in welchem Zusammenhang.

Daniel, deine nächste Herausforderung?
DANIEL: Ist noch offen …

Dein Karriereziel?
DANIEL: Mein nächstes Karriereziel ist die Meisterprüfung. Anschließend möchte ich die Ausbildung in Richtung Technische Ausarbeitung anstreben.

Vielen Dank für das Gespräch (an alle Beteiligten) und alles Gute für eure Zukunft!

Nachgefragt bei Trainer Gerold Taxer

Was war Ihr ursprünglicher Zugang zum Handwerk?
Taxer:Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Ich bin Handwerker aus Leidenschaft. Anlagen bauen, egal ob im Freien oder im kalten Rohbau, bedeutet für mich eine Gewisse Freiheit. Arbeiten im Büro oder im Verkauf wäre für mich keine Option.

Wie lange sind Sie bereits für das Training der Handwerks-Athleten zuständig?
Taxer: 2005 ist die Tiroler Innung an mich herangetreten, mit dem Wunsch, ihre Nachwuchstalente für die Bewerbe konkurrenzfähig zu machen.

Was treibt Sie als Trainer an?
Taxer: Viele Erwachsene jammern über die Jugend von heute. Aber wenn es um Taten geht um dem gegenzusteuern, haben die meisten keine Zeit oder eine andere Ausrede. Ich versuche meinen Beitrag zu leisten. Die jungen FacharbeiterInnen fördern, aber auch fordern kostet mir viel Energie – aber ich mache es mit Leidenschaft. Der größte Dank widerfährt, wenn so manche meiner betreuten Personen bei der Siegerehrung vom Podest strahlt. Diese Ausstrahlung kann ich nur schwer beschreiben. Innere Zufriedenheit, ein Aufgehen von Träumen über das Erreichte, ein Danke ohne Worte aber von Herzen, ist wohl nur ein kleiner Teil, den ich von ihren Gesichtern ablesen kann. Wobei ich danken müsste, dass ich mit solchen besonderen Persönlichkeiten arbeiten darf.

Größte Herausforderung(en) in der Jugendarbeit?
Taxer: Meiner Auffassung nach ist das höchste Gut vieler der heutigen Jugend das Maximum an Freizeit. Firma, Präsenzdienst, Zivildienst sowie teils keine freien Trainingsräume, lange Anfahrten zum Training (z.B. von Osttirol) um einige Beispiele zu geben, zählen ebenso zu den Herausforderungen wie das Training selbst mit deren Weiterentwicklung.

Wie lange darf Tirol noch auf Ihre Expertise zählen?
Taxer: Meine Trainerkarriere neigt sich dem Ende zu. In diesen 16 Jahren haben die Tiroler Nachwuchstalente bei den Berufswettbewerben 30 Podestplätze belegt und davon 15x Gold errungen. Ich durfte das miterleben, dafür bin ich dankbar. Nun ist eine Übergabe an ein junges dynamisches Trainerteam angedacht.


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